Seelenfutter / Stressreduktion

Zeit für’s Waldbaden

Frau läuft in den Wald zum Waldbaden.

Warum Dein vegetatives Nervensystem und Deine außer Rand und Band geratenen Mastzellen vom Waldbaden profitieren. Und es abgesehen davon der Seele gut tut.

Es passiert was bei den Ärzten. Sie verschreiben nicht mehr nur Pillen. Der letzte, bei dem ich war, hat mich tatsächlich gefragt: „Was tun Sie für Ihre Psychohygiene“? Und, hey ich hab mittlerweile Antworten darauf. Nicht nur mache ich schon lange regelmäßig mein geliebtes Yoga Nidra – neudeutsch Bodyscan. „Waldbaden gehe ich“, sag ich. „Aha“, kommt retour. Und „Erzählen Sie, das interessiert mich.“ Bitte sehr:

Waldbaden: mehr als durch den Wald laufen

Wer hat’s erfunden? Die Japaner. Und zwar schon vor etwa 40 Jahren als effektive Praxis, einem Burnout zu begegnen: Shinrin-yoku nennen sie es, wörtlich übersetzt eben Wald-Baden. Joggen, spazieren gehen, wandern: Das alles fällt nicht darunter. Im Wald zu baden, das bedeutet, ihn mit allen Sinnen wahrzunehmen. Also nicht mit Audible im Ohr durchzulaufen. Sondern aktiv zu sehen, riechen, berühren, hören und sogar zu schmecken.

Richtige Regeln gibt es nicht, wenn Du Dich dazu entschließt, Waldbaden in Dein Leben zu integrieren. Aber doch zwei Tipps, die sehr hilfreich sind:

1: Nimm Abstand vom Elektrosmog

Schau, dass Du einen Ort findest, an dem es keinen E-Smog gibt. In unserem Alltag sind wir eh schon reichlich durch technisch erzeugte elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder belastet. Auch nicht das Gelbe vom Ei: Verkehrslärm. Der kleine Stadtpark neben der Hauptstraße hat dummerweise nicht die selben guten Wirkungen, wie ein etwas abseits gelegener Wald oder gar ein Naturschutzgebiet. Ich selbst wohne in der Nähe vom Schlosspark Schönbrunn. Das ist natürlich praktisch. Aber ich setze mich durchaus auch 30, 40 Minuten in die Straßenbahn um zum Beispiel zu den Steinhofgründen oder in den Lainzer Tiergarten zu fahren. Zugegeben manchmal bringt uns auch des Z. alter Schwede hin (einen Saab bringt niemand um). Sicher gibt es auch in Deiner Stadt abgelegenere Parks. Wenn Du am Land lebst, dann schau, dass Du einen ruhigen Wald, abseits bäuerlicher Arbeit mit Traktoren und Co. findest.

2. Konzentrier Dich wirklich auf alle 5 Sinne

Die meisten Menschen neigen dazu, sich am meisten mit Bild und Ton zu beschäftigen, also dem Sehen und Hören. Vergiß aber nicht, Du hast auch einen Geruchs-, Geschmacks- und Tastsinn.

It’s all about Erdung

Die Erde selbst hat einen subtilen, aber sehr heilenden elektromagnetischen Impuls. Berührst Du sie mit nackten Füßen, beginnst du mit diesem Puls zu schwingen. Deinem vegetativen Nervensystem signalisiert das „Du bist in Sicherheit“. Sprich, weg vom Fight or Flight Modus, rein in die Gelassenheit. Oder noch besser, in den Heilungs-Modus. Denk dabei aber immer daran: Waldbaden hat nichts mit Sport zu tun. Es geht nicht darum, der Schnellste oder der Stärkste zu sein. Tatsächlich musst Du nicht einmal das Ende des Weges erreichen. Denn all das regt das sympathische Nervensystem an. Was Du willst, ist, Dein parasympathisches Nervensystem zu trainieren, Stress abzubauen. Genieß lieber das Gefühl, keine Eile zu haben.

Das sympathische und parasympathische Nervensystem

Der Sympathikus bereitet den Organismus auf körperliche und geistige Leistungen vor. Er sorgt dafür, dass das Herz schneller und kräftiger schlägt, erweitert die Atemwege, damit man besser atmen kann und hemmt die Darmtätigkeit.

Der Parasympathikus kümmert sich um die Körperfunktionen in Ruhe: Er aktiviert die Verdauung, kurbelt verschiedene Stoffwechselvorgänge an und sorgt für Entspannung. Sind Deine Mastzellen aktiviert oder Du bist gestresst, ist es an der Zeit, den Parasympatikus zu unterstützen.

Wie ich Waldbaden praktiziere: Gehen und still sein

Du entscheidest, ob Du lieber gehst, oder still stehst. Wenn Dein Sympatikus sehr dominant ist, kann es sein, dass Du Dich ängstlicher fühlst, wenn Du still stehst. Dann ist langsames, sanftes Gehen die bessere Wahl. Wähle dafür am besten ein flacheres Gelände, damit du Dich nicht überanstrengst. Du kannst nicht weit Laufen? Macht nichts. Du kannst Dir einfach eine Decke mitnehmen und im Gras an der Baumgrenze üben. Geh langsam, wenn Du übst, damit Du Dir Deiner Umgebung bewusst bist. Nimm Dir Zeit, um all die kleinen Dinge zu bemerken, die Du übersiehst, wenn das Handy den Tagesablauf bestimmt. Ich mag es sehr, bei Bänken anzuhalten, die Schuhe auszuziehen, barfuß rumzugehen und mich so zu erden.

Ich habe das Waldbaden mit dem Gehen begonnen, suche mir aber heute fast schon lieber ein ruhiges Platzerl und bin mindestens 20 Minuten einfach still. Aus den 20 Minuten kann aber auch gern mal eine Stunde werden. Manchmal setze oder lege ich mich dazu auch ins Gras.

Die Wahrnehmung unserer fünf Sinne ist ein Anker, wenn wir uns in unsere Gedanken und Gefühle verstrickt haben. Dass Gedanken oder Gefühle aufkommen bei dieser Übung, ist normal. Nimm sie wahr und kehre dann zu Deiner Übung zurück.

Die Benefits des Waldbadens

Jetzt werdet ihr staunen, was Waldbaden alles kann. Alleine sich im Wald aufzuhalten, reduziert schon mal das Cortisol (Stresshormon), Puls sowie Blutdruck sinken und der Parasympatikus wird aktiv. Das zeigen japanische Studien seit langem, vor allem diejenigen von Miyazaki Yoshifumi, der auch das Buch „Heilsames Waldbaden“ geschrieben hat. Er gilt als Erfinder des Waldbadens. Dabei zeigte sich unter anderem, dass noch Tage nach dem Waldbaden der Blutdruck und der Cortisolspiegel niedriger sein können und die Zahl der Abwehrzellen ansteigt. Diese Erhöhung natürlicher Killerzellen, auch NK-Zellen genannt, ist besonders positiv. Denn die bringen andere, unerwünschte Zellen um die Ecke – wie zum Beispiel mit einem Virus infizierte. Weitere Daten zeigen, dass Waldbaden Stress reduziert, die kardiovaskuläre und metabolische Gesundheit verbessert, den Blutzuckerspiegel sinken lässt, die Konzentation und das Gedächtnis verbessert, zu mehr Energie verhilft und das Immunsystem stärkt. Und selbst Waldluft kann einiges, wie eine andere kleine Studie aus Japan bestätigt. Probanden wurden dabei in einem Hotelzimmer untergebracht, das, ohne ihr Wissen, mit flüchtigen Stoffen beduftet wurde, die Nadelbäume produzieren: Terpenen. Bei den bedufteten Probanden stiegen die NK-Zellen nach nur einer Nacht.

“…wenn wir in Harmonie mit der natürlichen Welt sind, können wir anfangen zu heilen. Unser Nervensystem kann sich selbst zurücksetzen, unser Körper und unser Geist können wieder so werden, wie sie sein sollten … wir sind erfrischt und wiederhergestellt.“

Das sagt Dr. Qing Li, Author des Buches: „Die wertvolle Medizin des Waldes“. Und da sind wir auch schon bei den Mastzellen. Ihr erinnert Euch: Diese ältesten Zellen des Menschen ticken gern mal aus und entlassen einen Haufen Botenstoffe, wie zum Beispiel Histamin, in den Körper. Forscher gehen mittelerweile davon aus, dass rund 17 Prozent der Bevölkerung ein so genanntes Mastzellaktivierungssyndrom haben. Ich gehöre dazu.

Ein glückliches vegetatives Nervensystem = ruhige Mastzellen

Meine Mastzellen zu beruhigen, das ist mittlerweile mein höchstes Gebot. Denn sind sie ruhig, geht es mir gut. Waldbaden beruhigt sie enorm. Dummerweise lebe aber auch ich in einer Stadt, das heißt, abseits der Natur. Es gibt selbst im grünen Wien mehr Straßenlampen als Bäume, mehr Werbung als Vogelzwitschern. Unser vegetatives Nervensystem können wir in einer solchen Umgebung nicht mehr annähernd so gut reseten und regulieren, wie wir es eigentlich brauchen. Wie unsere Mastzellen es brauchen. Umso wichtiger ist Waldbaden für mich geworden. Denn es bedeutet, den Parasympatikus zu aktivieren. Die Mastzellen bekommen damit vermittelt, dass Du sicher bist, und sie nicht in den Angriffsmodus gehen müssen. Und ruhige, nicht angriffslustige Mastzellen, erleichtern das Leben wirklich enorm.

Weitere Studien

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Journalistin, Hashimoto-Hero, Kochwunderwaffe, Achtsamkeits-Anfängerin

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