Medizinisches & Hintergründe / Stressbewältigung

Ein eiskaltes Gesichtsbad? Brauchst du das?

Frau, die ein eiskaltes Gesichtsbad nimmt, von unten fotografiert.

Seit die gute Bella Hadid den Trend losgetreten hat, ein eiskaltes Gesichtsbad zu nehmen, tunken alle Beautyjunkies mit. Aber nur wenige wissen, dass das auch eine probate Methode ist, das parasympathische Nervensystem zu aktivieren.

Es ist eine Geschichte voller Missverständnisse (nein nicht die der Tampons). Die der Bella Hadid, die vor einer Schüssel, gefüllt mit Eiswürfeln und Wasser sitzt, und untertaucht. Minütlich später war der neueste Beauty-Trend geboren. Depuffing Eyes, Augenschwellungen reduzieren und so, du weißt schon. Allerdings hat Bella Bella nicht einer gefragt, ob sie nicht vielleicht ein eiskaltes Gesichtsbad nimmt, um Stress und Angst loszuwerden. Schließlich hat sie öffentlich gemacht, dass sie unter Lyme-Borreliose leidet. Aber gut, deswegen beschäftigen wir uns hier mit diesen Themen.

Ein eiskaltes Gesichtsbad nehmen: Die biologischen Basics

Das Eintauchen des Gesichts in eine Schüssel mit Eis oder eiskaltes Wasser für bis zu 30 Sekunden ist die neueste kühle Aktivität, die auf Social Media für Aufsehen sorgt. Wir sehen uns wie immer an, was die Wissenschaft dazu sagt. Aber dazu später.

Der Ablauf des Face Icings

Erst mal zum Ablauf. Der ist as simple, as it could be. Du hältst den Atem an und steckst deinen Kopf etwa 20 bis 30 Sekunden lang in eine mit Wasser und Eiswürfel gefüllte Schüssel. Das kannst du drei bis fünf Mal wiederholen. Und nein, du brauchst kein teures Kryotherapie-Gesichtsgerät oder sonstige fancy tools. Allerdings bringe ich gleich hier die Empfehlung an, die Sache langsam anzugehen, speziell, wenn du unter Mastzellproblemen leidest. Oft ist Kälte da nämlich ein Trigger.

⚠️ Achtung mögliche Kontraindikationen:
Bei MCAS, Kälteintoleranz, Histaminproblemen oder niedriger Herzfrequenz kann ein eiskaltes Gesichtsbad unerwünschte Reaktionen triggern. Einige Betroffene berichten über Schwindel, Flush, Kopfschmerzen oder eine Verschlechterung der Symptome. Geh hier besonders vorsichtig vor und beobachte genau, wie dein Körper auf Kälteimpulse reagiert. Sprich im Zweifel vorab mit deinen Ärzt:innen/Therapeut:innen. Leg außerdem nie Eis direkt auf dein Gesicht. Es kann dabei zu sehr schmerzhaften Verbrennungen kommen.

So beeinflusst das Eiswasser deine Gesichtshaut dermatologisch

„Wenn unsere Haut der Kälte ausgesetzt ist, verengen sich unsere Gesichtskapillaren und die Lymphfunktion wird gesteigert, was die Haut beruhigt, Rötungen reduziert und das Gesichtsgewebe strafft“, sagte erst kürzlich die britische Dermatologin Sidra Shakir. „Nach dieser anfänglichen Kontraktionsphase regt die Wirkung der Kälte die Blutzirkulation an. Dadurch gelangen Sauerstoff und Nährstoffe in die Haut, was für einen sofortigen Glanz sorgt“, fügte sie hinzu. Ideal sei das eiskalte Gesichtsbad für alle, die regelmäßig mit einem blassen, geschwollenen Gesicht aufwachen (huch, da ist es wieder das depuffen) oder nach einem Langstreckenflug unmunter ausschauen. Aber, und jetzt heißt es stark sein: Die Effekte sind mild und vorüber gehend. Tja.

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Therapie-Check: Kann Kälte bei Akne oder Rosacea helfen?

Dermatolog:innen, wie auch Shakir, empfehlen ein eiskaltes Gesichtsbad explizit nicht bei schwerwiegenden Hauterkrankungen wie Akne und Rosacea. Allerdings kann es Entzündungen vorübergehend reduzieren. Das hat mit einem vakkuumähnlichen Effekt zu tun, der eintritt, wenn man mit der Kälte in Kontakt kommt: „Das liegt daran, dass in der Anfangsphase der Kältetherapie die Durchblutung des Gesichts reduziert wird und der Hautoberfläche Flüssigkeit entzogen wird.“ Yep, so ähnlich fühlt sich das auch an, wenn man in echter Winterkälte spazieren geht. Jedenfalls: „Dieser Effekt reduziert Rötungen, während die Kälte vorübergehend auch die Poren verengt.” Das Ganze hat abgesehen davon den zusätzlichen Vorteil, dass die übermäßige Ölproduktion begrenzt wird, die mit Mitessern und Hautunreinheiten verbunden ist.”

Gezielte Aktivierung des Vagusnervs durch den Kältereiz

Kommen wir zu der für uns wichtigeren Sache: Tauchst du dein Gesicht ins eiskalte Wasser, löst das eine Reihe von Nervensignalen an den Vagusnerv aus. Und der reguliert bekanntlich die Reaktion deines parasympathischen (oder Entspannungs-) Nervensystems, wie auch deine Herzfrequenz. Was passiert, wenn der Vagus auf diese Weise aktiviert wird? Er signalisiert deiner Herzfrequenz, sich zu verlangsamen. Stress und Angst dagegen aktivieren das sympathische Nervensystem, was deine Herzfrequenz erhöht. Senkst du also deine Herzfrequenz, indem du ein beruhigendes Feedback an den Vagusnerv sendest, kannst du Angst und Verspannungen damit lindern. Was sagt die Wissenschaft dazu? Bislang noch nicht viel. Aber immerhin:

Parasympathische Aktivität: Versuch mit acht Freiwilligen

Es gibt einen kleinen Versuch mit acht Freiwilligen, die ihr Gesicht in verschiedene Wassertemperaturen und auch in kein Wasser tauchten, mit und ohne Atemanhalten. Dabei zeigte sich, dass ein signifikanter Anstieg der parasympathischen Aktivität auftrat, wenn sie ihren Atem in kaltem Wasser anhielten.

Der US-Mediziner Noel Young, der sich mit Health Tech und Clinical Innovations beschäftigt, sagt dazu: „Kaltes Wasser aktiviert den Trigeminusnerv, der bei Säugetieren den Tauchreflex auslöst“. Dahinter steckt ein evolutionärer Hack, der uns hilft, länger unter Wasser zu überleben. Das Anhalten des Atems sendet wie das kalte Wasser selbst Signale an den Vagusnerv, um die Herzfrequenz zu verlangsamen. Und was passiert dann? “Das Blut wird von den Gliedmaßen abgeleitet, sodass dein Gehirn und deine Organe stärker durchblutet werden“, so Young.

Die Zukunft des Bio-Hacking: Kommen bald tragbare Eis-Halsbänder?

Eine randomisierte Kontrollstudie mit 61 Teilnehmern zeigte, dass es nicht nur kaltes Wasser im Gesicht war, das diese Reaktion hervorrief. Tatsächlich war die Wirkung auf die Reaktion der Herzfrequenzvariabilität (das Maß dafür, wie gut der Körper Stress reguliert) sogar noch größer, wenn Kälte auf die Seite des Halses aufgetragen wurde. Was dafür spricht, dass uns die Industrie vermutlich bald ein tragbares Eishalsband präsentiert.

Eiswürfel statt einem eiskalten Gesichtsbad sind keine gute Idee wegen der Gefahr eines Gefrierbrands.

Die häufigsten Troubles und Praxis-Fehler beim Kälteschock

So und jetzt reden wir noch mal Tacheles: Solltest du auf Tiktok und Co – vermutlich leicht verwirrte – Menschen sehen, die ihren Kopf in eine Schüssel Eiswürfel ohne zusätzliches Wasser stecken, bitte scrolle weiter. Denn diese Praktik kann zu einem Gefrierbrand führen. Und den wollen wir alle nicht haben. Womit wir gleich auch zur guten Nachricht für alle Frostbeulen kommen:

Das Wasser muss nicht eiskalt sein, sondern nur kühler als die umgebende Luft. Zehn bis 15 Grad Celsius sind eine gute anzustrebende Temperatur. Anschließend tauchst du dein Gesicht 20 bis 30 Sekunden lang ins Wasser.

dR. Noel Young

Vor dem Eintauchen darfst du allerdings nicht zu tief einatmen, normales Einatmen genügt. „Deine Herzfrequenz verlangsamt sich innerhalb von zehn bis 30 Sekunden, nachdem du den Atem angehalten hast“, so Young. Atmest du zu tief ein, kann das länger dauern. Kannst du täglich ein eiskaltes Gesichtsbad nehmen? Ja, sagen die Experten. Mit Betonung auf “eines”. Mehrere Bäder können nämlich zu Reizungen führen.

Du möchtest noch mehr spannende Techniken kennenlernen, mit denen du dem Stress zu Leibe rücken kannst? Dann könnte dir Yoga Nidra zum Runterkommen gefallen!

💡 Hinweis: Dieser Artikel basiert auf sorgfältiger journalistischer Recherche, aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und persönlicher Erfahrung. Er dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Eine Haftung für daraus abgeleitete Handlungen wird ausgeschlossen.

Frequently Asked Questions (FAQs)

Warum genau sind Eiswürfel im Gesicht keine gute Idee?

Das direkte Auflegen von Eiswürfeln auf das nackte Gesicht kann zu einem schmerzhaften Gefrierbrand führen, der die Hautzellen nachhaltig schädigt. Zudem ist der punktuelle Kälteschock viel zu extrem für die feinen Gesichtskapillaren. Bei empfindlicher Haut können diese Gefäße dadurch dauerhaft erweitert bleiben oder sogar platzen, was bleibende Rötungen hinterlässt. Das Abtauchen im kühlen Wasserbad ist um ein Vielfaches sicherer und sanfter.

Darf ich mein Gesicht direkt nach dem Face Icing eincremen?

Warte nach dem Gesichtsbad am besten 10 bis 15 Minuten mit deiner Hautpflege. Durch die Kälte sind die Poren und Blutgefäße extrem verengt, wodurch die Haut Wirkstoffe aus Cremes oder Seren im ersten Moment kaum aufnehmen kann. Lass das Gesicht erst wieder von alleine auf normale Betriebstemperatur kommen, damit die Durchblutung anspringt. Dann ist die Haut maximal aufnahmebereit für deine Pflegeprodukte.

Verändert das kalte Wasser den natürlichen pH-Wert der Hautbarriere?

Kaltes Wasser allein schadet dem Säureschutzmantel nicht. Allerdings öffnet der Kältereiz die Hautbarriere minimal für Feuchtigkeit. Wenn du in einer Region mit sehr hartem, kalkhaltigem Leitungswasser wohnst, können die Kalkrückstände bei täglicher Anwendung trockene Haut oder Irritationen begünstigen. Bei sehr empfindlicher Haut lohnt es sich daher, die Schüssel mit gefiltertem Wasser oder stillem Mineralwasser zu füllen.

Hilft das eiskalte Gesichtsbad auch gegen geschwollene Augen am Morgen?

Ja, das ist einer der schnellsten Effekte im Alltag. Die Kälte sorgt dafür, dass sich die Lymphgefäße im gesamten Gesicht schlagartig zusammenziehen. Dadurch wird angestaute Gewebeflüssigkeit, die sich über Nacht unter den Augen gesammelt hat, extrem schnell abtransportiert. Der Effekt ist zwar nur vorübergehend, sorgt aber sofort für einen wachen, frischen Blick nach dem Aufstehen.

Mag. Alexandra Binder About Author

Alexandra Binder ist Fachjournalistin für Human- und Veterinärmedizin mit rund 30 Jahren Berufserfahrung sowie einem Studium der Kommunikationswissenschaft. Sie veröffentlichte unter anderem in Medizin Populär und dem österreichischen Klinikguide. Als Gründerin von Autoimmun Lifestyle verbindet sie evidenzbasierte Medizin mit persönlicher Erfahrung rund um Autoimmunerkrankungen, Hashimoto-Thyreoiditis, MCAS, Histaminintoleranz und chronische Beschwerden. Ihr Schwerpunkt liegt darin, wissenschaftliche Studien verständlich einzuordnen und komplexe medizinische Zusammenhänge alltagsnah aufzubereiten. Ziel ihrer Arbeit ist es, Betroffenen fundierte, unabhängige und gut verständliche Gesundheitsinformationen zur Verfügung zu stellen.

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