We did it again! Mit Mastzellspezialistin Dr. Corinna Geiger habe ich ein Interview zur MCAS-Diagnose geführt. Wir klären Fragen wie: Brauchst du eine Diagnose? Und wenn ja, wie kommst du zu einer? Hier kannst du das Gespräch in voller Länge nachhören. Danach bist du auf jeden Fall schlauer.
Du denkst, du könntest von einem Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) betroffen sein? Du kommst aber einfach nicht zu einer Diagnose? Dann ist dieses Interview für dich.
Inhaltsverzeichnis
Interview zur MCAS-Diagnose
Ich kenne den langen Weg gut, der einem Verdacht auf MCAS folgt. Satte 25 Jahre habe ich gebraucht, um die Erkrankung am Ende mit einer Darmbiopsie bestätigt zu bekommen. In der Regel findet sich entweder kein Arzt oder keine Ärztin, die sich mit diesem Krankheitsbild wirklich auskennen (obwohl man davon ausgeht, dass 17 Prozent der Bevölkerung betroffen sind) – die sind bekanntlich ziemlich rar gesät. Oder es findet sich jemand, der nicht so recht an ein MCAS glaubt, und die unlustigen Symptome nicht richtig einordnet: darunter Herzrasen/Palpitationen, Durchfall, Krämpfe, Bauchschmerzen, Muskel- oder Gelenksschmerzen, Schwindel, Vertigo, Vulvodynie, Brainfog, Fatigue sowie Urtekaria. Das sind übrigens nur einige davon.
Die fünf wichtigsten Fragen
- Wie komme ich zu einer Diagnose?
- Was bringt sie mir?
- Welche Laborwerte braucht es?
- Ist eine Biopsie unumgänglich?
- Was sagt dieser ominöse Fragebogen der Uni Bonn aus?
Im Interview klären wir all diese Fragen: Unter anderem haben wir darüber gesprochen, wie dir ein ambitionierter, offener Hausarzt oder eine Hausärztin weiterhelfen kann. Wir haben den Unterschied zwischen der primären und der sekundären Form eines MCAS analysiert, und den Sinn oder Un-Sinn einer Mikrobiomanalyse erörtert.
MCAS und Dysautonomien: Ein oft unerkannter Zusammenhang
Außerdem klären wir, welchen Zusammenhang es zwischen Dysautonomien und MCAS gibt. Dysautonomie ist dabei ein Überbegriff für eine Vielzahl an Erkrankungen und Störungen des autonomen Nervensystems. Dazu zählen alle Abläufe, die unser Körper “automatisch” steuert, ohne dass wir uns bewusst darum kümmern müssen.

Darunter fällt etwa Atmung, Verdauung, Körpertemperatur, Kreislauf, Hormone u.v.m. Außerdem erzählt Internistin Geiger, warum sie keine Freundin radikaler Auslassdiäten ist, und der MCAS-Fragebogen der Uni Bonn nur eingeschränkt Glücksgefühle bei ihr auslöst.
Was ist eine Dysautonomie?
Bei einer Dysautonomie ist das fein abgestimmte Zusammenspiel zwischen dem Sympathikus (dem Gaspedal des Körpers) und dem Parasympathikus (der Bremse) gestört. Die Nervensignale kommen fehlerhaft oder verzögert an den Organen an, was zu einer Vielzahl von scheinbar unzusammenhängenden Symptomen führen kann. Betroffene leiden häufig unter extremen Blutdruckschwankungen, plötzlichem Herzrasen beim Aufstehen (POTS), chronischer Erschöpfung, Schwindel, Magen-Darm-Beschwerden oder einer gestörten Schweißproduktion. Dysautonomien treten oft als Begleiterkrankung von Autoimmunerkrankungen, chronischen Infektionen oder einem Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) auf.
Du willst jetzt tiefer eintauchen? Lies gern kannst meine eigene Geschichte nach und hör unbedingt auch in den MCAS-Round-Table mit Dr. Geiger, Kyra Kauffmann und Betroffenen rein.
Wichtige Laborwerte, die dir weiterhelfen, findest du bei der Mastzellenhilfe.
Frequently Asked Questions (FAQs)
Ein engagierter Hausarzt kann bei Verdacht auf eine Mastzellaktivierung zunächst eine gezielte Labordiagnostik veranlassen. Dazu gehört vor allem die Serum-Tryptase, idealerweise als Ausgangswert und – wenn möglich – zusätzlich während einer akuten Episode. Ergänzend können im 24-Stunden-Sammelurin verschiedene Abbauprodukte von Mastzellmediatoren untersucht werden, darunter N-Methylhistamin, Leukotrien E4 (LTE4) und 2,3-Dinor-11β-Prostaglandin F2α. Diese Urinmarker können Hinweise auf eine vermehrte Freisetzung von Mastzellmediatoren liefern. Wichtig ist dabei die richtige Probengewinnung: Die jeweiligen Laborvorgaben müssen genau eingehalten werden, da die Mediatoren bzw. ihre Abbauprodukte empfindlich auf Lagerung und Transport reagieren. Bei einem 24-Stunden-Urin muss die Sammlung beispielsweise entsprechend den Vorgaben des Labors gekühlt und anschließend möglichst rasch weiterverarbeitet bzw. eingefroren werden.
Histamin selbst ist im Blut nur sehr kurz nachweisbar: Es wird innerhalb von etwa 1–2 Minuten abgebaut. Eine einzelne Blutabnahme kann eine vorübergehende Mastzellaktivierung deshalb leicht verpassen. Im Urin wird dagegen vor allem das länger haltbare Abbauprodukt N-Methylhistamin bestimmt. Die 24-Stunden-Sammlung erfasst die über den gesamten Tag ausgeschiedene Menge und gleicht kurzfristige Schwankungen aus. Dadurch lässt sich eine vermehrte Histaminfreisetzung zuverlässiger erfassen, als wenn nur ein einzelner Zeitpunkt im Blut betrachtet wird.
Bei einer Darmspiegelung entnimmt der Gastroenterologe mehrere winzige Schleimhautproben aus unterschiedlichen Darmabschnitten. Im Labor werden die Proben speziell immunhistochemisch gefärbt, damit die Mastzellen unter dem Mikroskop sichtbar werden. Der Pathologe beurteilt anschließend ihre Anzahl und Verteilung sowie ihr Aussehen: Er achtet unter anderem darauf, ob die Mastzellen unauffällig rundlich erscheinen, eine veränderte Form aufweisen oder sich zu auffälligen Gruppen (Aggregaten) zusammenlagern. Eine erhöhte Mastzelldichte kann dabei ein wichtiger Hinweis auf eine Mastzellproblematik sein.

2 Comments
Deborah
4. Juli 2023 at 12:53Liebe Alexandra,
ich finde leider weder auf youtube noch auf IG die Verlinkungen und Infos, die du erwähnt hast bzgl. Werte, die man vorab mit dem Hausarzt abklären kann, und Kontaktdaten der Diätologin, mit der Corinna Geiger zusammenarbeitet. Kannst du mir weiterhelfen? Herzlichen Dank!
Alexandra Binder
8. Juli 2023 at 11:43Liebe Deborah,
Alle Blutwerte zum MCAS findest Du auf https://www.mastzellenhilfe.de/labor-mcas Ich kopiere sie Dir aber noch mal hier rein:
Folgende Untersuchungen bieten sich an (1,6,9,11):
– Serum-Tryptase
– Serum-Chromogranin A. Die Einnahme von Protonenpumpenhemmern sollte mindestens 5 Tage vor der Testung vermieden werden.
– Gekühltes Plasma auf Prostaglandin D2, und/oder 11-β-PGF2α. Die Einnahme von NSAR sollte mindestens 5 Tage vor der Testung vermieden werden. NSAR steht für nicht-
steroidale Entzündungshemmer. Davon gibt es viele unterschiedliche, bekannte sind z.B. Aspirin, Diclofenac, Ibuprofen, Celecoxib, Naproxen).
– Gekühltes Plasma auf Histamin
– Gekühltes Plasma auf Heparin (falls keine externen Heparinprodukte benutzt werden. Heparin ist z.B. in HepaGel, Calciparine, Hemeran, Hirudoid und Varidoid enthalten. Für
die Testung können sich unterschiedliche Vorgehensweisen daraus ergeben.)
Die Diätologin mit der Dr. Geiger arbeitet, heißt Daniela Mulle.
Ich muss aber dazu sagen, dass ich nicht in allem inhaltlich übereinstimme mit ihr.