Wir stayen ja dank Corona noch immer home. Aus geht nur das Essen. Heute bei uns das Kokosjoghurt. Histaminarmen Kokosjoghurt selber machen ist also die Devise. Auch, weil die käufliche Variante gern histaminbildende Stämme enthält. Und nebenbei bemerkt sauteuer ist.
Ich kaufe Kokosjoghurt fast nie im Supermarkt. 3,99 Euro im Schnitt für 400 Gramm pflanzenbasiertes Joghurt – das ungeliebte Soja nehmen wir hier mal aus, finde ich dezent überteuert. Geschmacklich können gekaufte Varianten auch wenig. Und fast alle enthalten histaminbildende Stämme. Entgegen kommt mir dabei: Grundsätzlich kann man aus jeder selbst gemachten Nussmilch Joghurt machen. Persönlich habe ich bereits eines aus Mandeln (gut), Erdmandeln (in der AIP-Phase, geht so) und lektinreichen Cashews fabriziert (bevor ich über Lektine Bescheid wußte). Histaminarmen Kokosjoghurt selber machen, das funktioniert dummerweise bei vielen aber nicht, lese ich immer wieder. Darum gibt es hier eine sicher funktionierende Anleitung.
Histaminarmen Kokosjoghurt selber machen: so geht’s
Du kochst einen Liter Bio-Kokosmilch auf und rührst einen Esslöffel Agar Agar ein – am besten mit einem Schneebesen. Warum Rühren? Naja, Klümpchen machen sich so schlecht im Joghurt. Ich habe früher gern zu Kokosmilch von Aroyd-D gegriffen. In der herkömmlichen Variante aber auch in der Biovariante wurde kürzlich aber die Rezeptur verändert und der Emulgator Polyoxyethylensorbitanmonostearat (Polysorbat 60) (E435) zugefügt. Greif also lieber zu anderen Bio-Kokosmilch-Marken, die nur aus Kokos und Wasser bestehen. Aber Achtung, davon gibt es mittlerweile nur mehr wenige. Oder aber mach deine Kokosmilch selbst, wie ich immer öfter.
Welches Probiotikum sich für Kokosjoghurt eignet
Danach lässt du die einmal aufgekochte Kokosmilch auf lauwarm abkühlen. Achtung: lauwarm heißt lauwarm und nicht sehr warm. Und schon gar nicht heiß. Ist das geschafft, dann rührst du wieder. Diesmal zwei bis drei Kapseln histaminarmes Probiotikum mit einem Plastiklöffel ein – das wir erfahrungsgemäß als Menschen mit Histaminproblemen eh alle daheim haben. Bei mir funktionieren etwa die Lactos und Bifidos von Histameany gut. Einzelne Stämme wie L. Rhamnosus machen sich ebenfalls gut. L.Rhamnosus wirkt mastzellstabilisierend. Außerdem verwende ich von Zeit zu Zeit L. Gasseri. Letzeres ist ein histaminneutrales Bakterium, das im Hinblick auf Gewichtsabnahme untersucht wird. Lies dich gern zur Probiotikaauswahl bei Histaminproblemen ein. Soweit klar? Gut, dann weiter: Das Gemisch kippen wir sanft in einen Joghurtbereiter.
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Das richtige Equipment, um Kokosjoghurt selber zu machen
Ich bevorzuge einen stromlosen Joghurtbereiter dieser Art. Den meinen habe ich mal um fünf Euro bei willhaben gekauft. Sicherlich gibt es solche auch bei ebay Kleinanzeigen. Teure elektrische Joghurtbereiter mit kleinen Gläschen – darin tue ich mir schwer, großen Sinn zu erkennen. Aber natürlich funktionieren die auch. Über Nacht dürfen die Bakterien arbeiten. In der Früh schaut das Endergebnis in der Regel aus wie Wackelpudding, der nach Joghurt schmeckt. Stichfest also. Ich mag es lieber cremig, drum püriere ich es noch mal kurz durch. Du siehst, Kokosjoghurt selber machen ist easy.
Wie aus Kokosjoghurt Kokosquark (Topfen) wird
Nichts geht simpler, als Kokosquark (Kokostopfen) selber zu machen. Du hängst dazu einfach ein Sieb über einen Topf, und legst es mit einem Tuch aus. Dann gibst du deinen Kokosjoghurt in das Tuch und lässt es im Kühlschrank langsam abtropfen. Gern 24h, mindestens aber über Nacht sollte es schon stehen. So bekommst du wunderbaren Kokosquark (Topfen), mit dem du zb. Topfenknödel herstellen kannst, oder aber Labneh, den levantinischen Frischkäse.

Selbiges kannst du bei Verträglichkeit auch mit Ziegen- oder Schafjoghurt machen, um Ziegen- oder Schafquark (Topfen) herzustellen, der A2-Casein enthält. Verträglichen Quark zur Verfügung zu haben, glaub mir, das eröffnet völlig neue kulinarische Welten, vor allem in Sachen Obstknödeln, aber auch für histaminarme, lektinfreie Cheescakes.
Histaminarmen Kokosjoghurt selber machen
Kochutensilien
- 1 Stromloser Joghurtbereiter
Zutaten
- 1 Liter Bio-Kokosmilch ohne Emulgatorenzusätze
- Probiotikum
- 1 EL Agar Agar
Anleitungen
- Kokosmilch erwärmen und kurz aufkochen
- Einen Esslöffel Agar Agar mit dem Schneebesen einrühren und noch einmal kurz aufkochen
- Auf lauwarm abkühlen lassen
- Probiotikum einrühren
- In einen stromlosen Joghurtbereiter füllen und die Bakterien 8-24h Stunden arbeiten lassen.
- Ist das Endergebnis ein Wackelpudding, kurz durchpürieren für ein cremiges Ergebnis.
Notizen
Frequently Asked Questions (FAQs)
Da das Joghurt durch die Milchsäurebakterien angesäuert ist, hält sich das fertige Joghurt in einem sauberen, verschlossenen Glas im Kühlschrank problemlos ca. 5 Tage. Achte bei einer Histamose (Histaminintoleranz) oder einem MCAS aber darauf, das Joghurt zügig zu verbrauchen. Obwohl die verwendeten Stämme (wie L. Rhamnosus) histaminneutral oder mastzellstabilisierend sind, ist es besser, ein solches Lebensmittel schnell zu verbrauchen.
Nein, moderner Küchen-Edelstahl ist für das kurze Einrühren völlig unbedenklich. Der weit verbreitete Mythos, man dürfe Fermente niemals mit Metall berühren, hält sich bis heute hartnäckig. Ein sauberer Edelstahl-Löffel gibt beim kurzen Einrühren in die lauwarme Kokosmilch nur sehr geringe Mengen an Metallionen ab. Wenn du aber auf Nummer sicher gehen oder einfach einer alten, bewährten Fermentations-Tradition folgen möchtest, greif – wie im Rezept empfohlen – zu einem sauberen Plastik-, Silikon- oder Holzlöffel.
Wenn der Joghurt nach der Ruhezeit nicht angenehm säuerlich-frisch, sondern muffig oder ranzig riecht, hat sich eine Fehlgärung durch Fremdkeime eingeschlichen. Das passiert, wenn das Gefäß oder der Joghurtbereiter vorab nicht sauber genug waren oder die Kokosmilch vor dem Einrühren der Probiotika noch zu heiß war (über 40 Grad), wodurch die nützlichen Milchsäurebakterien absterben können. Da andere Mikroorganismen dann freie Bahn haben, können sich unter Umständen Histamin und andere biogene Amine bilden. Bitte wirf den Joghurt in diesem Fall weg.
Bei klassischem Kuhmilchjoghurt funktioniert das sogenannte „Überimpfen“ problemlos. Bei rein pflanzlichem Joghurt auf Kokosbasis leider nicht. Da Kokosmilch im Gegensatz zu Tiermilch keinen natürlichen Milchzucker (Laktose) enthält, hungern die Bakterienstämme nach der ersten Fermentation rasch aus und verlieren an Vitalität. Zudem steigt bei jedem weiteren Überimpfen das Risiko einer unbemerkten Kontamination mit histaminbildenden Fremdkeimen aus der Küche. Für ein sicheres, histaminarmes Ergebnis solltest du für jeden neuen Liter Kokosmilch konsequent frische Probiotika-Kapseln verwenden.
Nein, strukturell und geschmacklich gibt es deutliche Unterschiede. Der amerikanische „The Coconut Cult“ ist berühmt für seine sehr saure Mousse-Textur und liefert rund 50 Milliarden Keime pro Esslöffel. Das Problem für histaminsensible Menschen: Das US-Produkt verwendet 16 verschiedene Bakterienstämme, unter denen sich auch bekannte Histaminbildner befinden. Dieses Rezept setzt dagegen ganz bewusst auf ein von dir kontrolliertes, reines und histaminarmes Probiotikum (wie den Lactos von Histameany). Zudem sorgt das Agar-Agar im Rezept dafür, dass dir die emulgatorfreie Bio-Kokosmilch im Joghurtbereiter nicht in Fett und Wasser zerfällt, sondern das Endergebnis cremig ist. Auch die deutschen Tiktoker:innen, die dir vorgaukeln Coconut-Cult herzustellen, produzieren übrigens „nur“ Kokosjoghurt.
Quellen und Literatur
- Leuschner RG, Heidel M, Hammes WP. Histamine and tyramine degradation by food fermenting microorganisms. International Journal of Food Microbiology. 1998;39(1-2):1-10.
- Priyadarshani WMD, Rakshit SK. Screening selected strains of probiotic lactic acid bacteria for their ability to produce biogenic amines (histamine and tyramine). International Journal of Food Science & Technology. 2011;46(10):2062-2069.
- Zhou X, et al. Oral probiotic activities and biosafety of Lactobacillus gasseri HHuMIN D. Microbial Cell Factories. 2021;20:82.
- Wusigale, Liu K, Wang D, et al. Comparative genomics and untargeted metabolomics analysis of dairy-derived Lacticaseibacillus rhamnosus strains and their potential applications in dairy fermentation. Journal of Dairy Science. 2025;108(7):6814-6827.


14 Comments
Melanie
30. September 2020 at 9:25Danke für dieses Rezept, möchte es nächstens ausprobieren. Wo kriege ich diese Kapseln mit Probiotikum und muss ich auf etwas Besonderes achten beim Kauf?
Alexandra
30. September 2020 at 9:39Liebe Melanie, du kannst im Prinzip jedes frei verkäufliche histaminarme Probiotikum nehmen. Kapsel öffnen und einrühren. Bei Probiotika musst du auf nichts besonderes achten. Das einzige, was passieren kann, ist, dass das Joghurt zu mild wird. Dann nächstes Mal mehr Kapseln nehmen. Du kannst als Alternative auch vegane Joghurt Starterkulturen verwenden. Aber dann bitte darauf schauen, dass keine Lactose enthalten ist (ich meine mich zu erinnern, dass das zb. bei Jean Pütz/Hobbythek so war). Gutes Gelingen und berichte gern, wie es geworden ist!
Sabine
20. März 2023 at 16:01Liebe Alexandra, ich befinde mich gerade in der AIP Eliminationsphase.
Kann ich trotzdem BOLGARI nehmen? Auf der Verpackung steht: Lactobacillus gasseri und Lactobacillus rhamnosus aus trockener Milch (EU) hergestellt. Dann ist das doch nicht laktosefrei, oder?
Ich wäre dir sehr dankbar für eine schnelle Antwort.
Alexandra
20. März 2023 at 20:05Liebe Sabine, in deinem Fall würde ich das Probiotikum nehmen, das du vermutlich ohnehin nimmst. Ich checke dir das aber noch gegen.
Alexandra
20. März 2023 at 20:20Ich habe noch diese Info gefunden „The product contains a minute quantity of dried skim milk powder. It is however completely consumed by the bacteria during incubation so the resulting yogurt is lactose free, even when made with regular milk. All lactose is gobbled up by the strain during incubation. Hope this helps.“
Sabine
26. März 2023 at 17:14Danke <3
Marion
19. Mai 2023 at 18:42Liebe Alexandra,
welche Kokosmilch verwendest Du?
Kann ich jede nehmen?
Herzliche Grüße
Marion
Alexandra Binder
22. Mai 2023 at 13:51Hallo Marion, ja im Prinzip kannst du jede Kokosmilch nehmen. Wichtig: Nur Kokosmilch und Wasser sollte drin sein. Keine Emulgatoren oder ähnliche Zusätze! Ich mache sie mittlerweile lieber selbst, weil Kokosmilch-Dosen sehr stark BPA-belastet sind. Hier kommst du zum Kokosmilch-Rezept.
Florian
31. Mai 2024 at 16:19Die Aroy-D Biovariante enthält (mittlerweile?) aber auch E412 und E415.
Alexandra Binder
1. Juni 2024 at 11:31Lieber Florian, danke für die Info, das wußte ich noch nicht. Das ist wirklich schade. Bist du sicher, dass du die Bio Variante hattest?
Sabine
31. Januar 2024 at 16:46Hallo, ich habe einen Versuch nach dem Rezept gemacht und 3 Kapseln Probiotika genommen. Agar geht nicht bin in der Karenzphase Histamin, Sorbit, Sibo. Nun habe ich es mit Jartiffekstärke versucht, das war wohl der Fehler, was kann an noch zum Binden nehmen und wieviel? 1 Teelöffel Reisstarke oder Maisstärke?
Ich habe so darauf gehofft das es klappt
Viele Grüße
Sabine
Alexandra Binder
1. Februar 2024 at 9:24Liebe Sabine,
folgendes kannst du versuchen. Nimm 2 Cups Kokosmilch. Davon vermenge ein bis zwei Esslöffel mit 2 EL Tapioka oder 1 EL Maisstärke (Achtung dann nicht lektinfrei), so dass keine Klümpchen entstehen. Gib das zurück zur Kokosmilch und vermixe es. Erwärme die Kokosmilch unter rühren (nicht kochen). Dann lass sie abkühlen, und rühre lauwarm das Probiotikum ein. Lass das Probiotikum 24h arbeiten an einem warmen Platz oder im Joghurtbereiter, und kühle den Joghurt danach sechs Stunden ca. im Kühlschrank. Das sollte dann einen cremigen Joghurt ohne Agar Agar ergeben.
Biene
4. April 2026 at 18:12Hallo, was würde denn statt Agar Agar funktionieren? Ist leider häufig bis Histaminintoleranz/MCAS nicht verträglich. Danke im Voraus!
Alexandra Binder
4. April 2026 at 18:53Hallo Angelika, Agar Agar wird bei Sighi mit 01 klassifiziert. In diesem Magazin verwenden wir 0 und 1er Sighi-Lebensmittel. Ich habe noch nie gehört, dass Agar Agar problematisch ist. Hast du eine Quelle dafür, dass es „häufig“ nicht vertragen wird? Du kannst es mit Tapioka oder Guakernmehl zb. ersetzen. Der Geschmack ändert sich aber damit. LG Alexandra