Wußtest du, dass ein typischer Apfel über 100 Millionen Bakterien enthält? Die beim Essen in deinen Verdauungstrakt gelangen – und dort dein Mikrobiom stärken? Dass auch Zimmerpflanzen ein Mikrobiom haben? Und guess what: Du profitierst vom Austausch der Mikrobiota mit anderen! All das weiß ich aus dem Interview mit Mikrobiom-Forscherin Dr. Gabriele Berg.
Alles ist möglich. Jedenfalls wenn es um unser Mikrobiom geht. Und ja, ich war auch kurz sprachlos, als Mikrobiom-Forscherin Dr. Gabriele Berg mir das Ein oder Andere darüber erzählte.
Was dein Mikrobiom mit deiner Gesundheit zu tun hat: Das Interview
Update 2026: Was die Forschung inzwischen über das Pflanzenmikrobiom weiß
Seit unserem Interview im August 2024 hat sich die Forschung zum essbaren Pflanzenmikrobiom weiterentwickelt. Besonders spannend ist eine 2025 veröffentlichte Arbeit von Dr. Gabriele Berg und ihrem Team, die den Zusammenhang zwischen dem Mikrobiom von Obst und Gemüse und unserem Darmmikrobiom genauer zusammenfasst. Inzwischen gibt es deutliche Hinweise darauf, dass pflanzenassoziierte Mikroorganismen über die Nahrung in den menschlichen Darm gelangen können und dort zumindest zeitweise nachweisbar sind. Die Forschung spricht deshalb von einer möglichen „Farm-to-Fork“-Verbindung zwischen Umwelt, Pflanzen, Lebensmitteln und menschlichem Darmmikrobiom. Die 2025 veröffentlichte Arbeit von Berg et al. fasst diese Entwicklung zusammen. Welche dieser Mikroorganismen sich dauerhaft ansiedeln und welche konkreten gesundheitlichen Auswirkungen daraus entstehen, ist weiterhin Gegenstand der Forschung.
Unser Mikrobiom kann sich regenerieren. Selbst das von Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. (Dr. Gabriele Berg)
Spätestens, als sie diesen Satz im Mikrobiom-Interview raushaute, wurde Dr. Berg zu meiner persönlichen „Queen of Mikrobiom“. Warum? Er kommt von einer absolut seriösen Forscherin, und ermutigt viele Menschen. Berg ist tatsächlich durch und durch Wissenschaftlerin. Das Mastermind hinter der heimischem Mikrobiom-Forschung.
Wie Obst, Gemüse & Bio dein Mikrobiom stärken
Unter anderem spricht sie über eine spezielle Sache, die besonders für chronisch kranke Menschen in mittelfristig sehr interessant sein könnte. Nämlich: „Jedes Obst und Gemüse hat ein einzigartiges Mikrobiom. Also vielleicht lässt sich auf Basis dessen irgendwann eine personalisierte Ernährung zusammenstellen.” Nicht schlecht, Herr Specht. Aber warum ist das so? Weil es auch eine Verbindung zwischen dem Apfel & Co-Mikrobiom, und der Bakterienvielfalt in unserem Darm gibt!
Gerade ist einem Team um Dr. Berg der Nachweis gelungen, dass pflanzliche Mikroorganismen aus Obst und Gemüse zum menschlichen Mikrobiom beitragen.
Wobei frisch und Bio alles andere um Länge schlägt: Frisch geerntete Bio-Äpfel, um bei diesem Beispiel zu bleiben, haben etwa ein deutlich vielfältigeres, gleichmäßigeres, und ausgeprägteres Mikrobiom im Vergleich zu konventionellen. Yeah, das bestärkt mich als Bio-Fanatikerin.

Die Forschung von Dr. Gabriele Berg
Um den entdeckten Zusammenhang weiter zu erforschen, arbeitet Gabriele Berg am Institut für Umweltbiotechnologie im Rahmen des EU-geförderten Projekts HEDIMED mit internationalen Kolleg*innen an einer Interventionsstudie, bei der Menschen auf drei Kontinenten für einen gewissen Zeitraum das Gleiche essen und danach deren Ausscheidungen analysiert werden. Aber auch darüber hinaus sieht sie Bereiche, die durch die neue Erkenntnis beeinflusst werden könnten. Etwa die Lebensmittelerzeugung, da Erde, Dünger und Pflanzenschutz-mittel sich auf das pflanzliche Mikrobiom auswirken. „Frisches Obst und Gemüse wird immer das beste Mikrobiom haben, die Landwirtschaft oder weiterverarbeitende Betriebe haben schon einen großen Einfluss. Und auch die Lagerung und Verarbeitung der Nahrung muss kritisch überdacht werden“, so Berg.
Warum das alles so spannend ist? Weil die zwei Kilogramm Mikroorganismen, die wir so mit uns herumtragen, unser Leben (unsere physische und psychische Gesundheit) extrem beeinflussen. Und mehr Dinge, als wir uns je hätten vorstellen können, die Bakterienvielfalt in unserem Darm beeinflussen.
Zimmerpflanzen und Bakterien: Die unsichtbare Verbindung
Wer hätte gedacht, welch große Wirkung unser Umweltmikrobiom hat, das Zimmerpflanzenmikrobiom etwa. Dr. Berg sagt, es ist sehr lebendig. „Jede Art beherbergt eigene Mikroorganismen, und zwar unabhängig von den Umweltfaktoren. Wir haben rund eine Million Bakterien und 1.000 Pilze pro Quadratzentimeter Blattfläche gefunden“.
„Je mehr Pflanzen, umso mehr Diversität herrscht in den Räumen. Wo eine hohe bakterielle Vielfalt vorherrscht, haben wir umso weniger Antibiotikaresistenzen gefunden.“ (Dr. Gabriele Berg)
Oder, dass der Austausch von Mikrobiota zwischen Menschen eigentlich eine coole Sache ist – die einstigen Badehäuser sogar Autoimmunerkrankungen verhindert haben. Ein einziger Mensch gibt stündlich übrigens bis zu eine Million Mikroben an seine Umgebung ab. Und – Trommelwirbel – dass Bewegung unser Mikrobiom quasi am stärksten beeinflusst.
Mikrobiom stärken: Alltags-Tipps aus dem Interview
Du möchtest dein Mikrobiom aktiv unterstützen? Hier kommen fünf einfache Tipps, die Du sofort in deinen Alltag einbauen kannst:

Interessiert dich das Thema näher, speziell vielleicht die Mikrobiomanalyse? Dann lies die Einschätzung von Dr. Corinna Geiger zum Thema Mikrobiomanalyse!
Frequently Asked Questions (FAQs)
Ja. Der Forschungsgruppe um Dr. Gabriele Berg ist der wissenschaftliche Nachweis gelungen, dass die Mikroorganismen auf pflanzlichen Lebensmitteln aktiv zur Vielfalt und Stabilisierung des menschlichen Darmmikrobioms beitragen können. In einer Analyse von 2.426 menschlichen Darm-Metagenomen wurden pflanzenassoziierte Bakterien tatsächlich im menschlichen Darm nachgewiesen. Sie machten dort etwa 2,2 Prozent der erfassten Bakterien aus. Dabei zeigte sich auch: Je häufiger Gemüse gegessen wurde und je vielfältiger die verzehrten Pflanzen waren, desto höher war der Anteil dieser pflanzenassoziierten Bakterien. Voraussetzung für diesen direkten Transfer ist jedoch der Verzehr in rohem, unverschältem Zustand, da Kochen, starkes Erhitzen oder industrielle Weiterverarbeitung und lange Lagerung das empfindliche Oberflächen-Mikrobiom der Pflanzen zerstören können.
Quellen:
1. Wicaksono WA, Cernava T, Wassermann B, et al. The edible plant microbiome: evidence for the occurrence of fruit and vegetable bacteria in the human gut. Gut Microbes. 2023;15(2):2258565. 2. Berg G, Toledo GV, Schierstaedt J, Hyöty H, Wicaksono WA. Linking the edible plant microbiome and human gut microbiome.Gut Microbes. 2025;17(1):2551113.
Ja, gründliches Waschen mit kaltem Wasser ist auch bei Bio-Lebensmitteln ratsam, um oberflächlichen Schmutz, Staub oder natürlichen Vogelkot zu entfernen. Wichtig zu wissen: Ein reines Waschen mit Wasser entfernt nicht das gesamte pflanzeneigene Mikrobiom. Untersuchungen zeigen, dass Waschen zwar die Zusammensetzung und Vielfalt der Mikroorganismen auf Obst und Gemüse verändern kann, aber nicht sämtliche Bakterien und Pilze entfernt. Die Mikroorganismen sitzen teilweise fest auf der Oberfläche und in den natürlichen Strukturen der Pflanze. Tabu für Mikrobiom-Fans sind allerdings aggressive Reiniger oder Seifen, da diese die natürliche Mikrobiota der Pflanze deutlich stärker verändern können.
Quellen:
1. Abdelfattah A, Wisniewski M, Schena L. Effect of Washing, Waxing and Low-Temperature Storage on the Postharvest Microbiome of Apple. Microorganisms. 2020;8(6):944. Info: Die Studie zeigt direkt, dass Waschen das Apfelmikrobiom verändert, aber nicht vollständig entfernt.
2. Walsky T, Sunil S, Bolten S, Ivanek R, Wiedmann M. Commercial washing and storage over shelf life impact bacterial communities more than the fungal communities on baby spinach. Microbiology Spectrum. 2026;14(7):e04007-25.
Nein. Zwar liefert gute Bioerde eine enorme Vielfalt an Bodenbakterien, aber es gibt auch das Risiko, dass sie EHEC, Salmonellen oder Parasiten beherbergt. Es ist nicht das Ziel, pure Erde zu essen, sondern die nützlichen Endophyten (Bakterien, die im Inneren der Pflanze leben) sowie das festsitzende Oberflächen-Mikrobiom aufzunehmen. Das gesündeste Gleichgewicht erreichst du mit erntefrischem Bio-Gemüse, das du vor dem Essen nur kurz mit kaltem Wasser abspülst.
Quellen:
1. Prevention and control of microbiological hazards in fresh fruits and vegetables: parts 1 & 2: general principles. Microbiological Risk Assessment Series 42. 2024.
2. Beuchat LR, Ryu J-H. Produce Handling and Processing Practices. Emerging Infectious Diseases. 1997;3(4
Wenn der Baum in einem sauberen Garten ohne Straßenverkehr steht, kannst du den Apfel in der Regel auch ungewaschen direkt vom Ast genießen. Das Waschen ist hier mikrobiologisch weniger relevant, da Früchte in luftiger Höhe vor vielen Bodenkeimen geschützt sind. Brokkoli dagegen solltest du immer waschen. Durch seine einzigartige, stark verästelte Struktur aus tausenden engen Röschen wirkt er wie ein natürlicher Trichter. Staub, Sand, kleine Insekten und Reste von organischem Bio-Dünger verfangen sich tief im Inneren des Kopfes.
Quellen & Literatur
- Wicaksono WA, Cernava T, Wassermann B, Abdelfattah A, Soto-Giron MJ, Toledo GV, Virtanen SM, Knip M, Hyöty H, Berg G. The edible plant microbiome: evidence for the occurrence of fruit and vegetable bacteria in the human gut. Gut Microbes. 2023;15(2):2258565.
- Schweitzer M, Kögl I, Wassermann B, Abdelfattah A, Wicaksono WA, Berg G. Urban air quality affects the apple microbiome assembly. Environmental Research. 2024;262:119858.
- Berg G, Toledo GV, Schierstaedt J, Hyöty H, Wicaksono WA. Linking the edible plant microbiome and human gut microbiome.Gut Microbes. 2025;17(1):2551113.
💡 Hinweis: Dieser Artikel basiert auf sorgfältiger journalistischer Recherche und aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Er dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Eine Haftung für daraus abgeleitete Handlungen wird ausgeschlossen.


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