Alltägliches

Kolumne: Kunst kommt von künstlich

eine alte Bäuerin sitzt und faltet ihre alten Hände unter dem Bauch. Sie trägt ein Kariertes Kleid und denkt an Kunstdünger

Nicht überall, wo Kunst drauf steht, ist auch Kunst drin. Kunstleder fällt mir da ein, Kunststoff, oder Kunstdünger. Letzterer kommt im Übrigen nicht nur gekünstelt daher, sondern ist auch noch gleich die Wurzel allen Übels dazu, wie mir meine Oma – Gott oder wer immer hab sie seelig – mal bei einem Plauscherl erzählt hat. Von der ich nebenbei gesagt erwarte, dass sie mir ihre verdammt guten Gene vererbt hat, weil so geistig hell und körperlich fit, wie die mit über 90 noch war, das ist nicht Usus in unseren Breiten. Aber die Oma war auch eine Bäuerin vom alten Schlag, eine Handarbeiterin. Maschinelle Träume hatte man vor 70 Jahren ja noch keine. Eh war das nicht lustig damals. Aber eins wars mit Sicherheit: gesünder. Bio, genauer gesagt, ohne dass ‚Bio‘ drauf gestanden ist. Die Oma hat gesagt, alles war gut auf der Insel der Seligen – bis der Kunstdünger gekommen ist. Zwar gab es weniger Ertrag, aber dafür qualitativeren. Und sie erinnerte sich noch genau, wie der dann gekommen ist, und die Felder urplötzlich alle unnatürlich schön in Saft und Kraft standen. Und sie konnte bis zuletzt noch auf einen Blick kunstgedüngte von biologisch bearbeiteten Feldern unterscheiden. Eh keine Kunst, sagte sie immer, Letztere schauen jetzt halt wieder aus wie früher.

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Journalistin, Hashimoto-Hero, Kochwunderwaffe, Achtsamkeits-Anfängerin

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