Glutenfreie Mehle kennst du? Was ist mit glutenfreiem, histaminarmem lektinfreiem Hirsemehl? Es ist zu Unrecht noch nicht allzu bekannt. Dringend Zeit also, den glutenfreien Mehlhorizont zu erweitern.
Ich hönnte Hymnen über Hirsemehl singen. Weil mir das aber niemand abkauft, reden wir Klartext und untermauern die gute Sache mit Argumenten: Es ist durch seine weiche, stärkehaltige Konsistenz ideal zum glutenfreien Backen. Es ist reich an Proteinen, Ballaststoffen und den Mineralien Eisen, Phosphor, Mangan, Magnesium und Kupfer. Manch Bäcker fügt es Backwaren angeblich nur deshalb hinzu, um die Nährstoffdichte zu erhöhen. Gern spricht man in diesem Zusammenhang von „natürlichem Protein.“ Die Geschmacksnote ist butterig, nussig, grasig, leicht bitter, die Haptik fein, pudrig, leicht klumpig.
Wie Hirsemehl verwendet wird
Sagen wir es, wie es ist: Es gibt ein Problem mit Hirsemehl. Es kann leicht bitter sein. Mutter B. merkt das sofort. Der brauche ich damit nicht kommen. Darum tritt es auch gern im Mix mit anderen Mehlen auf. Gut harmoniert es mit Sorghummehl, Tapiokastärke und gemahlenen Flohsamenschalen. Zusammen ergibt das quasi eine Art glutenfreie mehlige Allzweckwaffe bei der es eine schöne Kruste gibt, die Backwaren aber nicht krümelig sind, oder gar zerfallen.
Zu welchen Backwaren dieses Mehl passt
Gut passt es zu Desserts und süßen Broten, den erwähnten süssen Backwaren – nicht zuletzt deshalb, weil der Geschmack des Getreides natürlich süß ist. Wenn du dieses glutenfreie Mehl verwendest, kannst du den Zucker etwas reduzieren. Was lässt sich noch damit anfangen? Herzhafte Aromen lassen sich ausgleichen. Den Hackbraten macht es voluminöser. Und es eignet sich als gut als Paniermehl für gebratenen Fisch oder Hendl (Hühnchen). Unter 100 Gramm in einem glutenfreien Rezept ersetze ich gern damit. Manchmal verwende ich auch etwas Sorghummehl dazu. Meistens funktioniert das sehr gut. Wirklich viele Rezepte damit findest du bei Katarina Cermelj aka The Loopy Whisk.
Womit sich das Hirsemehl kombinieren lässt
Beim Backen kannst du bis zu 25 Prozent des Mehls in einem Rezept damit ersetzen. Empfehlenswert ist es zudem, es mit Sorghummehl, glutenfreien Stärken wie Tapioka und gemahlenen Flohsamenschalen zu kombinieren. Das tue ich zum Beispiel bei diesem schnellen Sorghumbrot. Aber tatsächlich gibt es auch Rezepte, in denen es die einzige Komponente ist. Etwa dieses Toastbrot. Aktuell verwende ich übrigens das Mehl von Süss und Clever. Es ist nicht nur sehr fein, sondern auch kaum bitter. Und was solltest du gleich als Erstes damit backen? Apfelkuchen wäre eine gute Wahl.
Was Hirsemehl von Sorghummehl unterscheidet
Beides sind glutenfreie Getreidemehle. Aber sie unterscheiden sich deutlich in Geschmack und Backeigenschaften. Ersteres schmeckt eher mild, leicht süßlich und manchmal etwas nussig, während Sorghummehl einen kräftigeren, erdigeren und leicht süßlichen Geschmack mitbringt. Auch beim Backen verhalten sie sich unterschiedlich: Hirsemehl macht Teige eher zart und locker, kann allein aber schnell etwas trocken oder bröselig werden. Sorghummehl bringt mehr Körper und Struktur in glutenfreie Teige und wird deshalb gerne mit anderen glutenfreien Mehlen und Bindemitteln kombiniert. Beide liefern unter anderem Mineralstoffe und Ballaststoffe, wobei Sorghum je nach Sorte besonders interessante Polyphenole enthalten kann.
Kann ich es selbst mahlen?
Ja, das geht. Du brauchst dafür nicht einmal unbedingt eine Getreidemühle. Ich mahle es oft mit dem Trockenbehälter meines Vitamix selbst, weil es dummerweise wirklich oft ausverkauft ist. Auch die oft kolportierte Info, man solle nur so viel, wie man gerade braucht, mahlen, weil frisch gemahlenes Mehl durch die enthaltenen ungesättigten Fettsäuren schneller an Aroma verliert als das ganze Korn, kann ich so nicht bestätigen. Wenn ich mahle, dann mindestens ein Kilo, das ich dann luftdich tund kühl aufbewahre. Aber ich muss auch zugeben: Mit gekauftem Mehl erziele ich bessere Ergebnisse beim Backen.
Frequently Asked Questions (FAQs)
Grundsätzlich kannst du es durch Teffmehl ersetzen, aber nicht pauschal in jedem Rezept 1:1. Die beiden glutenfreien Mehle unterscheiden sich in Geschmack, Farbe und Backeigenschaften. Teff schmeckt kräftiger und erdiger und färbt das Gebäck dunkler. Gerade bei glutenfreiem Brot kommt es außerdem darauf an, welche Funktion das Mehl im jeweiligen Mehlmix übernimmt. In Rezepten von The Loopy Whisk wird beispielsweise Hirsemehl durch fein gemahlenes braunes Reismehl ersetzt, während Sorghummehl durch weißes Teffmehl ersetzt werden kann.
Die beiden unterscheiden sich vor allem darin, welche Teile des Korns vermahlen werden. Hirsemehl wird meist aus geschälter Hirse hergestellt und ist entsprechend hell und mild. Braunhirsemehl wird dagegen aus dunkleren, meist ungeschälten beziehungsweise nicht entspelzten Hirsekörnern gewonnen und enthält dadurch mehr Bestandteile der äußeren Kornschichten. Damit kommen auch mehr Ballaststoffe, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe ins Mehl. Es schmeckt auch kräftiger und eignet sich nicht in jedem Rezept zum Ersetzen. Zudem ändert es Geschmack, Farbe und Konsistenz. Für Kuchen und feines Gebäck würde ich eher nur einen Teil ersetzen, während in Brot, Pancakes oder herzhaften Teigen ein vollständiger Austausch je nach Rezept gut funktionieren kann.
Ja, es eignet sich gut zum Andicken von Saucen und ist eine glutenfreie Alternative zu herkömmlichen Soßenbindern. Rühre das Mehl zunächst in etwas kaltem Wasser glatt und gib die Mischung anschließend unter Rühren in die Sauce, damit keine Klümpchen entstehen.
Da es einen vergleichsweise hohen Anteil an natürlichen Fetten besitzt, kann dieses Mehl schneller ranzig werden als beispielsweise Weizen- oder Reismehl. Geöffnet solltest du es daher innerhalb von etwa 6 Monaten verbrauchen. Wenn du eine größere Menge gekauft oder selbst gemahlen hast, kannst du es problemlos einfrieren. Das verlangsamt die Oxidation der Fette deutlich und verlängert die Haltbarkeit. Am besten wird das Mehl luftdicht verpackt, damit wenig Feuchtigkeit und Luft eindringen kann


3 Comments
Angela
21. August 2023 at 16:17Hallo Alexandra,
da ich mich gerade an lektinfreie Ernährung herantaste, bin ich auf Deine tolle Seite gestoßen. Vielen DAnk dafür. Nun würde mich interessieren, ob ich die Bio-Hirse, die ich als Körner daheim habe im Thermomix zu Mehl mahlen kann oder würdest Du besser ein „fertiges“ Mehl kaufen?
Eine andere Frage betrifft das Buch von Dr. Ami Myers „Die Autoimmun-Lösung“ – ich weiß nicht, ob Du es kennst. Jedenfalls ist dort Hirse bei den Pseudogetreiden wie Quinoa usw. aufgelistet. Vielleicht handelt es sich um einen Übersetzungsfehler, weil alles was ich jetzt gelesen habe gehört es zu den Süßgräsern.
Und hab ich das richtig verstanden? Die Lebensmittel, die im AIP erlaubt sind sind nicht (ganz) die gleichen wie bei lektinfreier ERnährung?
Liebe Grüße, Angela
Alexandra Binder
24. August 2023 at 22:09Liebe Angela, ja Hirse kannst du in einem Hochleistungsmixer selbst zu Mehl mahlen. Ob es aber auch so fein wird, wie das gekaufte, kann ich nicht sagen. Ich kaufe es der Bequemlichkeit wegen bei Süss und Clever. Dort gibt es auch Sorghummehl, das ich auch viel verwende. Und noch mal ja, Hirse gehört zu den Süssgräsern. Das wird tatsächlich oft nicht richtig eingereiht. Und ein drittes ja. Lektinfreie Ernährung und AIP sind unterschiedlich. Das AIP ist nicht lektinfrei. Du kannst es aber lektinfrei adaptieren, in dem Du alles schälst, entkernst, im Druckkochtopf kochst etc.
Miriam
5. November 2025 at 16:14Hallo Alexandra,
Vielen Dank für die vielen hilfreichen Tipps! Im Bioladen gibt es bei uns immer nur Braunhirsemehl. Ist das das gleiche wie normales Hirsemehl und ist Braunhirse auch lektinfrei und histaminarm?
Ich versuche gerade lektinfreies Aip umzusetzen, was gar nicht so einfach ist. Aber deine Seite ist so super!
Lieben Dank und Grüße
Miriam