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Test: Antibiotikaresistente Keime in Fleisch

Multiresistente Keime in Fleisch: Greenpeace-Mitarbeitet hält verpacktes Fleisch

Ständig predige ich: Kauft kein konventionelles Fleisch! Ein Greenpeace Test zeigt jetzt wieder gruseliges: In jedem dritten getesteten Fleisch aus dem Supermarkt finden sich antibiotikaresistente Keime, auch in AMA Gütesiegel-Produkten.

Bitte ich will nach nicht sagen, ich habs ja gesagt. Aber ich kann mich noch an Freundin E.s Odyssee bei ihrer Blasenentzündung erinnern. Die Geschichte ist völlig entgleist, kein Antibiotikum griff. Am Ende brauchte sie ein sauteures Reserve-Antibiotikum. Das sind die, die eingesetzt werden, wenn gar nichts mehr geht. Antibiotikaresistente Keime nennt man das. Wo sie sich ihren geholt hat, keine Ahnung? Vielleicht aus konventionellem Fleisch? Irgendwo, wo man keinen Einfluß darauf hat? In einem Beisl, Restaurant? Alles Spekulation. Aber konventionelles Fleisch liegt hoch im Rennen, wenn es um antibiotikaresistente Keime geht. Die laden nämlich quasi dauernd auf unseren Tellern, wie ein brandneuer Greenpeace-Test zeigt.

Pute, Schwein, Hack: Allerorten antibiotikaresistente Keime im Fleisch

Greenpeace hat 24 abgepackte Fleischwaren aus heimischen Supermärkten vom Lebensmittellabor der AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) auf multiresistente Keime testen lassen. Und was da rauskam, ist unlustig!

Die Horror-Ergebnisse

  • In 9 der 24 Fleischwaren, das ist über ein Drittel, wurden multiresistente Erreger nachgewiesen.
  • Bei Schweinefleisch waren ganze 4 von 14 getesteten Produkten belastet
  • Hühnerfleisch wurde auch getestet: eine Probe von 6 positiv
  • Putenfleisch ist besonders betroffen: da fanden sich auf allen 4 Fleischwaren multiresistente Erreger

Mit Gütesiegel auf der sicheren Seite? Leider nein.

Das wäre schön, ist aber leider nicht so. Das viel beworbene österreichische AMA-Gütesiegel ist kein Garant gegen multiresistente Keime im Fleisch: von 16 AMA-Gütesiegel-zertifizierten Produkten waren sechs positiv. In anderen Worten ist das ebenfalls ein Drittel.

„Massentierhaltung gefährdet unsere Gesundheit. Die schlechten Haltungsbedingungen machen die Tiere krank. Deswegen werden in großen Mengen Antibiotika eingesetzt, was zur Entwicklung gefährlicher resistenter Keime führt. Mit dem Fleisch kommen diese Erreger dann bis in unsere Küchen.“

Sebastian Theissing-Matei,

Greenpeace

Sind auch gängige Marken betroffen vom Skandal rund um antibiotikaresistene Keime im Fleisch? Dazu ein klares Ja! In gehypten konventionellen Marken, etwa Tann und Hofstädter, wurden antibiotikaresistente Keime gefunden. Du willst jetzt die volle Dosis an Horror? Die gesamten Details sehen? Bitte sehr:

Das Problem? Die Massentierhaltung

Sagen wir es, wie es ist. Die konventionelle Landwirtschaft kann nur dank Antibiotika-Einsatz überleben. Er ist Teil des Systems. Weil die Tiere nicht tiergerecht auf viel zu engem Raum leben, entstehen mehr Krankheiten und verbreiten sich. Aber da ist auch noch der Stress. Jungtiere werden ihren Müttern entrissen, bekommen zu früh festes Futter, das ihr Immunsystem noch gar nicht verträgt. Schweine bewegen sich auf Spaltenböden. Das bedeutet, dass im Boden Spalten sind, durch die die Exkremente fallen, was dem Bauern Arbeit ersparen soll. Die Tiere verletzten sich auf diesem unnatürlichen Boden aber an den Füßen. Ich könnte noch ewig so weiter erzählen. Aber wer mag schon Dinge hören, wie, dass Muttersauen nach der Geburt in Kastenstände (eiserne, körperanliegende Käfige) gesperrt werden, damit sie ihre Ferkel beim Säugen nicht erdrücken.

Mehrere Antibiotika-Kuren in sechs Monaten Lebenszeit

Summa summarum sind die konventionell gehaltenen Nutztiere derart gestresst, dass sie sich sogar gegenseitig verletzen. Sagt einem ja schon der gesunde Menschenverstand (der den Beteiligten abhanden gekommen sein dürfte), dass so ein Leben schwer erträglich ist. Die so entstehenden Infektionen lassen sich immer schwerer bekämpfen. Lasst uns einfach mal ein paar Zahlen ins Rennen werfen: Über 43 Tonnen Antibiotika wurden allein 2020 eingesetzt, rund zwei Drittel (73,4 Prozent) davon landeten in den Trögen der Schweine. Weil’s einfacher ist, behandelt man gern gleich die ganze Herde. Das nennt man dann Metaphylaxe. Und was bedeutet das? Auch wenn nur einzelne Tiere krank sind, bekommt die ganze Herde Antibiotika ins Futter oder Wasser. So ein Schwein, das in konventioneller Haltung nur sechs Monate lebt, kommt so auf mehrere Antibiotika-Kuren.

Warum sind antibiotikaresistente Keime in Fleisch gefährlich?

Hallo, wir sprechen von einer der bedeutendsten Entwicklungen der Medizingeschichte. Penicillin galt bei seiner Entdeckung als Wundermittel gegen all die bakteriellen Infekte. Und das sind Antibiotika auch. Aber auch Keime sind nicht blöd. Wenn man Antibiotika in Bausch und Bogen einsetzt, werden immer mehr davon resistent dagegen. Und was kommt dann? Sowas wie Freundin Es. Geschichte am Beginn dieser Story. So gut wie bei ihr geht das aber nicht immer aus. Antibiotika-Resistenzen gehörten mittlerweile zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Sage nicht ich, sagt die WHO. Aber es gibt doch neue Wirkstoffe? Jein. Die Forschung kann längst nicht mehr mit der Resistenzentwicklung Schritt halten.

Und was ist bei Bio jetzt anders?

Ganz einfach: Ein Bio-Schwein zum Beispiel kriegt maximal einmal im Leben Antibiotika. Sonst darf das Fleisch nicht mehr als Bio-Fleisch verkauft werden. Deshalb werden da auch in der Regel nur tatsächlich erkrankte Einzeltiere behandelt. Viele Bio-Betriebe berichten, sagt Greenpeace, dass sie praktisch keine Antibiotika benötigen. Und was sagt der gesunde Menschenverstand jetzt dazu wieder? Nun, große Mengen Antibiotka sind nicht nötig, wenn Tiere artgerecht gehalten werden.

Wie kannst Du antibiotikaresistente Keime in Fleisch verhindern?

Biofleisch kaufen, lautet die einfache Antwort. Wenn es möglich ist, besorge Dein Fleisch beim Bauern. Auch Biokistl-Lieferanten wie etwa Adamah liefern Biofleisch. Wenn Du finanziell knapp bist, dann kauf Dein Biofleisch beim Discounter. Auch ich tue das dann und wann. Dagegen ist nichts zu sagen. Und wir alle können mithelfen, die Landwirtschaft zum besseren zu verändern. Manchmal ist das auch sehr einfach: Zum Beispiel kannst Du die Greenpeace-Petition: „Stoppen wir den Antibiotika-Wahnsinn!“ unterzeichnen.

Du möchtest jetzt mehr zum Thema wissen? Lies meine Beiträge Tierwohl-Check Schwein: Fühlt sich die Sau wohl? und Macht die industrielle Landwirtschaft uns krank?

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Journalistin, Hashimoto-Hero, Kochwunderwaffe, Achtsamkeits-Anfängerin

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