Brot hat mich groß gemacht. Und damit Gluten. Oder eher klein. Zu mehr als 157 cm hat es nicht gereicht. Ob es am geliebten Butterbrot mit Salz lag? Man weiß es nicht. Aber vor einigen Jahren hieß es „kein Gluten“ mehr. Doch ist glutenfrei Essen bei Autoimmunerkrankungen eine gute Idee?
„Gluten ist ab sofort gestrichen.“ Das war der ärztliche Rat von der funktionellen Medizinerin Dr. Simone Koch, nachdem meine Gliadin-Antikörper im Stuhl irgendwo im Nirgendwo waren. Oh mein Gott, dachte ich. Unser tägliches Brot gib uns heute. Steht doch schon in der Bibel. Tröstlich: Das ist ein Übersetzungsfehler – eigentlich heißt es „Unser täglich Mahl gib uns heute“. Aber zurück: Seit diesem Moment esse ich glutenfrei. Es sei denn, ich werde kontaminiert. Was im Übrigen gar nicht so selten passiert. Denn es gibt unendlich viele versteckte Glutenquellen. War es hart? Ja, war es. Ich träume heute noch von einem anständigen Baguette. Hat es sich gelohnt? Hat es. Geholfen haben mir Fakten. Und deshalb möchte ich dir welche an die Hand geben.
Warum ist glutenfrei essen bei Autoimmunerkrankungen ein Thema?
Gluten verursacht einen löchrigen Darm. Und wer will schon einen löchrigen Darm? Ich auch nicht. Genau das kommt durch Gluten und Gliadin aber zustande. Das ist übrigens kein Humbug, sondern Wissenschaft. Berühren sie die Darmschleimhaut, kommt es zu Löchern im Darm. Und zwar nicht nur, wenn du autoimmunkrank bist. Dann aber ist es problematisch. Am Ende der Reise steht nämlich die so genannte Darm-Permeabilitätsstörung oder in anderen Worten das berühmte Leaky Gut Syndrom. Damit wird es unlustig. Ist der Darm nämlich erst mal „leaky“ oder leck, kommen Fremdproteine in den Darm. Und dann zuckt das ohnehin schon überaktivierte Immunsystem aus. Sprich es bildet massiv Antikörper auf diese Proteine aus.
Nach der Diagnose Gluten weglassen?
Gerade in der Startphase ist glutenfrei Essen bei Autoimmunerkrankungen ein großes Thema. Sehen wir uns also mal an, womit wir es überhaupt zu tun haben:

Das Klebereiweiß Gluten
Gluten ist das Klebereiweiß verschiedener Getreidesorten. Das Brot wird damit fluffig, das Semmerl hält zusammen. Will heißen: Es beeinflusst die Backeigenschaften. Zwei Eiweißgruppen machen das Gluten aus: Prolamine und Gluteline. Je nach Getreide haben sie eine unterschiedliche Struktur und auch Namen. Die des Weizens nennen sich Glutenin und Gliadin. Das des Roggens Secalinine. Außerhalb der Brotproduktion findet sich auch jede Menge Gluten, etwa als Trägerstoff für Aromen aber auch zum Emulgieren wird es verwendet.
Warum Gluten speziell bei Hashimoto problematisch sein kann
Achtung, jetzt wird es schräg: Die Struktur des Glutens ähnelt der Schilddrüse. Und genau das führt zu einer fatalen Reaktion: zuerst dringt das Gluten über die Löcher im Darm in den Körper ein. Der bildet wie erwähnt Antikörper, weil es dort im Prinzip nichts zu suchen hat. Diese Antikörper sind aber dummerweise der Schilddrüse so ähnlich, „dass der Körper dann mit den gleichen Antikörpern die Schilddrüse markiert, und wieder anfängt die Schilddrüse zu zerstören“, wie es die funktionelle Medizinerin Dr. Simone Koch auf den Punkt bringt.
Zwei Optionen stecken hinter einer Reaktion auf Gluten

Die Non Celiac Gluten-Sensitivity diagnostizieren
Eine so genannte Non Celiac Gluten-Sensitivity kannst du abklären, in dem du die Gliadin- und Transglutaminase-Antikörper im Stuhl untersuchen lässt, etwa bei Ganz Immun oder Medivere. Die andere Variante wäre ein LTT-Test im Blut auf Gluten und/oder glutenhaltige Getreide, wie etwa Dinkel oder Roggen: Diese Tests macht IMD Berlin. Ich persönlich würde heute so weit gehen, eine Darmbiopsie zu machen, um eine Zöliakie auszuschließen. Denn die ist immerhin zu 14 Prozent mit einer Hashimoto vergesellschaftet. Dazu gibt es mittlerweile ganze 14 Studien mit rund 16.700 Teilnehmer:innen. Und jetzt das Dumme an der Sache: Isst du bereits für einige Monate glutenfrei, müsstest du wieder sechs Wochen Gluten integrieren, damit man die Zöliakie bei einer Darm-Biopsie überhaupt feststellen kann. Von daher am besten im ersten Step eine Zöliakie ausschließen.
Der glykämische Index von glutenhältigem Getreide
Getreide, und da insbesondere der Weizen, hat einen hohen glykämischen Index. „Schlimmer als Haushaltszucker“, sagt Dr. Koch. „Und wenn man dann sehr hohe Blutzuckerspitzen hat kommt es zur Glykierung der Proteine. Das heißt, ein Glukoseanteil wird an das Protein angedockt und dann kann der Körper nicht mehr erkennen, ob es zu ihm gehört.“ Jetzt ist es aber langsam genug, du verlierst gerade echt die Lust auf Gluten? Dann wird es jetzt hart: Die erwähnten Antikörper können nämlich auch noch das Gehirn angreifen, und dort sogar Symptome erzeugen, die einer Depression ähneln.
Persönliches Fazit
Für mich persönlich bleibt Gluten tabu, weil ich bei jeder noch so geringen Kontamination merke, wie schlecht ich mich fühle. Ich erinnere mich noch an ein sehr unglückliches Urlaubserlebnis in Ligurien. Dort erbot sich ein sehr netter Pizzaiolo an, mir eine glutenfreie Socca (übrigens quasi Nizzas Nationalgericht) zu machen. Nicht ohne mir zu sagen, für den umherfliegenden Mehlstaub könne er nix. Ich bin das Risiko eingegangen. Es endete fatal mit mehreren Tagen zwischen Bett und Klo. Wäre das nicht so, und hätte ich keine Diagnose, würde ich versuchen, mich sehr langsam an traditionell hergestelltes biologisches glutenhältiges Brot aus Sauerteig aus Dinkel & Co mit langer Teigruhe heranzutasten.
💡 Hinweis: Dieser Artikel basiert auf sorgfältiger journalistischer Recherche, aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und persönlicher Erfahrung. Er dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Eine Haftung für daraus abgeleitete Handlungen wird ausgeschlossen.

3 Comments
Annika Vetter
27. Dezember 2024 at 8:26Liebe Alexandra
Ich kann bei Medivere leider nichts finden, wo Glianin und Transglutaminase-Antikörper im Stuhl testet. Hast du einen genauen Link ? Und bezieht sich die 6 Wochen glutenhaltige Ernährung nur auf den Zöliakitest oder auch auf den Test für NCGS?
Liebe Grüße
Alexandra Binder
27. Dezember 2024 at 8:39Liebe Annika, tatsächlich gibt es den Test offenbar gerade nicht. Aber ich habe eine Alternative gefunden https://www.verisana.de/shop/glutenintoleranz-test/?gad_source=1&gclid=CjwKCAiAmrS7BhBJEiwAei59i1fbR8lIpvJ11CnxxLqHCDbiefLJncLmPvjOn3iOehq2OyqC9ft4MBoC8K4QAvD_BwE
Wenn du bereits glutenfrei isst, wird er, fürchte ich, nicht anschlagen.
erik
28. Dezember 2024 at 11:25Moin werte Bloggerin und Wegbereiterin der neuen Zeit!
Da ich mich schon seit ein paar Jahren aus Eigeninteresse mit Reduktion von Schadstoffen und allgemeinzivilistorischen Toxen auseinandersetze, habe ich mich gewundert, dass Sie Menschen ans Herz legen, mit dem Mobiltelefon über Kopfhörer zu arbeiten. No way! Es sei denn sie tauschen Kabel gegen Luftschläuche:
Exemplarisch: https://emv-plus.com/airtubes/
Wer es ganz ruhig haben möchte besorgt sich auch noch Abschirmgewebe für den Schlafplatz. Das bringt Ruhe für die Mastzellen… 😉
Lesen Sie gerne dazu auch noch die alternativen Forschungen.
Beste Grüße
PS: danke für das Wissen, dass Gluten nix für die Schilddrüse ist…
PPS: Bei all den Einflüssen der Umwelt auf den Menschen habe ich mich zur Anwendung eines Universalschlüssels entschieden: Stärkung des eigenen Energiefeldes. Denn, was stört es schon die Sonne, wenn sie mit einer Taschenlampe angeleuchtet wird.
PPPS: Vipassana-Meditation ist übrigens auch so ein Universalwerkzeug mit tiefgehender und weitreichender Wirkung.