Autoimmunkrankheiten / Hard Facts

Warum glutenfrei essen bei Autoimmunerkrankungen?

Frauenhände lehnen Toast ab, passend zum Thema Glutenfrei essen bei Autoimmunerkrankungen.

Brot hat mich groß gemacht. Und damit auch Gluten. Oder eher klein. Zu mehr als 157 cm hat es nicht gereicht. Ob es am Butterbrot mit Salz lag, meiner Leibspeise? Man weiß es nicht. Aber vor einigen Jahren, da hieß es plötzlich „kein Gluten“ mehr. Tatsächlich ist glutenfrei Essen bei Autoimmunerkrankungen eine gute Idee.

„Gluten ist ab sofort gestrichen.“Ärztlicher Rat, nachdem meine Gliadin-Antikörper im Stuhl irgendwo im Nirgendwo waren. Oh mein Gott, dachte ich. Unser tägliches Brot gib uns heute. Steht doch schon in der Bibel. Tröstlich: Das ist ein Übersetzungsfehler – es heißt nämlich eigentlich „Unser täglich Mahl gib uns heute“. Aber zurück: Seit diesem Moment esse ich glutenfrei. Es sei denn, ich werde kontaminiert. Was im Übrigen gar nicht so selten passiert, wie man denkt. Denn es gibt unendlich viele versteckte Glutenquellen. War es hart? Ja, war es. Ich träume heute noch von einem anständigen Baguette. Hat es sich gelohnt? Hat es. Was mir geholfen hat, waren harte Fakten. Und deshalb möchte ich Euch die hier und jetzt auch an die Hand geben.

Gluten: sorgt für einen löchrigen Darm.

Wer will schon einen löchrigen Darm? Du nicht? Ich auch nicht. Genau das machen allerdings Gluten und Gliadin. Berühren sie die Darmschleimhaut, kommt es zu Löchern im Darm. Und zwar nicht nur, wenn Du autoimmunkrank bist. Dann aber ist es richtig problematisch. Am Ende der Reise steht nämlich die so genannte Darm-Permeabilitätsstörung oder in anderen Worten das berühmte Leaky Gut Syndrom. Damit wird es unlustig. Ist der Darm nämlich erst mal „leaky“ oder leck, kommen Fremdproteine in den Darm. Und dann zuckt das ohnehin schon überaktivierte Immunsystem aus. Sprich es bildet massiv Antikörper auf diese Proteine aus. Von daher ist gerade in der Startphase glutenfrei Essen bei Autoimmunerkrankungen ein großes Thema. Meiner bescheidenen Meinung nach allerdings für immer. Für mich bleibt Gluten tabu, weil ich bei jeder noch so geringen Kontamination merke, wie schlecht ich mich fühle. Ich erinnere mich noch an ein sehr unglückliches Urlaubserlebnis in Ligurien. Dort erbot sich ein sehr netter Pizzeria Chef an, mir eine glutenfreie Socca zu machen. Nicht ohne mir zu sagen, für den umherfliegenden Mehlstaub könne er nix. Ich bin das Risiko eingegangen. Es endete fatal mit mehreren Tagen zwischen Bett und Klo.

KLEBEREIWEISS GLUTEN

Gluten ist das Klebereiweiß verschiedener Getreidesorten. Das Brot wird damit fluffig, das Semmerl hält zusammen. Will heißen: Es beeinflusst die Backeigenschaften. Zwei Eiweißgruppen machen das Gluten aus: Prolamine und Gluteline. Je nach Getreide haben sie eine unterschiedliche Struktur und auch Namen. Die des Weizens nennen sich Glutenin und Gliadin. Das des Roggens Secalinine. Außerhalb der Brotproduktion findet sich auch jede Menge Gluten, etwa als Trägerstoff für Aromen aber auch zum Emulgieren wird es verwendet.

Warum glutenfrei Essen gerade bei Hashimoto gut ist

Achtung, jetzt wird es schräg: Die Struktur des Glutens ähnelt der Schilddrüse. Und genau das führt zu einer fatalen Reaktion: zuerst dringt das Gluten über die Löcher im Darm in den Körper ein. Der bildet wie erwähnt Antikörper, weil es dort im Prinzip nichts zu suchen hat. Diese Antikörper sind aber dummerweise der Schilddrüse so ähnlich, „dass der Körper dann mit den gleichen Antikörpern die Schilddrüse markiert, und wieder anfängt die Schilddrüse zu zerstören“, wie es die funktionale Medizinerin Dr. Simone Koch auf den Punkt bringt. Und das braucht nun echt niemand.

Grundsätzlich stecken hinter Reaktionen auf Gluten zwei Möglichkeiten

Und dann ist da noch der glykämische Index

Mit dem punktet nämlich Getreide, und da insbesondere der Weizen, auch noch. „Schlimmer als Haushaltszucker“, sagt Dr. Koch. „Und wenn man dann sehr hohe Blutzuckerspitzen hat kommt es zur Glykierung der Proteine. Das heißt, ein Glukoseanteil wird an das Protein angedockt und dann kann der Körper nicht mehr erkennen, ob es zu ihm gehört.“ Jetzt ist es aber langsam genug, Du verlierst gerade echt die Lust auf Gluten? Dann helfen wir doch noch ein bisserl nach. Die erwähnten Antikörper können nämlich auch noch das Gehirn angreifen und dort sogar Symptome wie eine Depression erzeugen. Von daher besser glutenfrei Essen bei Autoimmunerkrankungen und mein geniales glutenfreies Landbrot backen.

Die Non Celiac Gluten-Sensitivity diagnostizieren

Ob Du konkret eine so genannte Non Celiac Gluten-Sensitivity hast, kannst Du erfahren, in dem Du Gliadin- und Transglutaminase-Antikörper im Stuhl untersuchen lässt, etwa bei Ganz Immun oder Medivere (unbezahlte Werbung). Die andere Variante wäre ein LTT-Test im Blut auf Gluten und/oder glutenhaltige Getreide, wie beispielsweise Dinkel oder Roggen: Diese Tests macht IMD Berlin. Ich persönlich würde heute sogar soweit gehen, eine Darmbiopsie zu machen, um eine Zöliakie auszuschließen. Denn die ist immerhin zu 14 Prozent mit einer Hashimoto vergesellschaftet. Dazu gibt es mittlerweile ganze 14 Studien mit rund 16.700 Teilnehmer:innen. Und jetzt das Dumme an der Sache: Isst Du bereits für einige Monate glutenfrei, müsstest Du wieder sechs Wochen Gluten integrieren, damit man die Zöliakie bei einer Darm-Biopsie überhaupt feststellen kann. Von daher am Besten gleich eine Zöliakie ausschließen und danach erst das Gluten meiden.

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Journalistin, Hashimoto-Hero, Kochwunderwaffe, Achtsamkeits-Anfängerin

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