Alu in Küchenutensilien ist billig, leicht, leitet die Wärme gut, und soll giftig sein. Aber ist das wirklich so? Was sagt die Wissenschaft?Und weil wir alle kaum mehr Töpfe aus diesem Material haben, lautet die Frage: Sind Alu-Grillschalen schädlich? Schließlich nutzt letztere auch der Italiener ums Eck gern, um die glutenfreie Pizza kontaminationsfrei zu backen. Und viele grillen damit.
“Also Alu kannst du echt rauslassen”, meint der Z., als ich ihm von meiner Serie zum Thema Gesundes Kochgeschirr erzähle. Nachsatz: Nicht mal Mutter Z. habe ihm zum Auszug damals solche Töpfe mitgegeben. “Und das Zeug, das sie mir da geschenkt hat, war echt billiges Klumpert”. Huch, gottseidank hat Mutter Z. kein Internet. Mit Töpfen beschäftigen wir uns an dieser Stelle also nicht vorrangig. Aber was ist mit Grillschalen? Sind Alu-Grillschalen schädlich?
Wo wird Aluminium heute noch eingesetzt?
Beispielsweise beim Camping. Kein Camping ohne Kaffee im die leichten Häferl. Weil, da kommts vor allem aufs Gewicht an. Und Aluminiumtöpfe sind billig. Drum finden sie sich auch gern in Airbnbs mit Ikea-Charme. Das Material ist alles andere als ausgestorben.

Gar nicht zu reden von Grillschalden als Alu. In denen übrigens neuerdings auch gern glutenfreie Pizzen in Restaurants gebacken werden. Gluten vermeiden, und sich gleichzeitig Alu reinziehen. Schlechter Deal?
Warum ist Aluminium in Kochgeschirr schädlich?
Dazu braucht es eine Antwort auf folgende Frage: Was verbirgt sich hinter einer so genannten Aluminium-Legierung? Ein Mix aus Metallen mit Aluminium als Hauptbestandteil. Dieser Mix ist allem voran leicht, weich, wenig langlebig und zerfällt schnell, wenn er mit Säure wie Zitrone oder Essig in Kontakt kommt. Wobei es Töpfe gibt, die einen Alukern haben, aber mit Edelstahl verkleidet oder beschichtet sind, damit das Aluminium nicht mit Lebensmitteln in Kontakt kommt. Denn das hat sich tatsächlich als toxisch erwiesen.
Alzheimer durch Aluminium? Was Studien zeigen
Wer googeln einigermaßen beherrscht, der kommt an dieser Mutmaßung nicht vorbei. Weil wir aber nur Fakten trauen, habe ich recherchiert. Tatsächlich wird eine Aluminium-Exposition als Teil der Entwicklung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer angesehen. Um diese Frage zu klären, haben Forscher schon 1996 die Belastung durch Tee, geschmorten Rhabarber und schwarzen Johannisbeersaft verglichen. Zubereitet wurden sie entweder in einem neuen, 10 Jahre alten oder 30 Jahre alten Töpfen. Raus kam, dass der Gehalt in diesen in Alu-Kochtöpfen zubereiteten Lebensmitteln häufig 10-mal höher war als die Werte, die zuvor mit der Entwicklung von Alzheimer in Verbindung gebracht wurden.

Schwermetalle aus alten Töpfen: unterschätzt und allgegenwärtig
Yep. Das hat eine Studie aus dem Jahr 2020 gezeigt. Forscher untersuchten dazu das Wurzelwachstum von Zwiebeln, nachdem sie mit Wasser gegossen wurden, das in Aluminium-Kochtöpfen gekocht worden war. Und siehe da, es fand sich einiges: Genauer gesagt überhöhte Gehalte an Cadmium, Kupfer, Arsen, Blei, Nickel und Aluminium im gekochten Wasser. Die Grenzwerte der WHO und der EPA wurden unabhängig vom Alter der Testtöpfe (neu bis 6 Jahre alt) gesprengt. Wobei die ältesten Töpfe auch die höchsten Werte hatten. Das Wurzelwachstum der Zwiebeln im gekochten Wasser war im Vergleich zu denen in Leitungswasser übrigens gehemmt. Das lässt auf eine Zytotoxizität von in das Koch-Wasser ausgelaugten Schwermetallen schließen. Und Schwermetalle braucht nun wirklich keiner!
Das Grillen: sind Alu-Grillschalen schädlich?
Und was ist mit glutenfreier Pizza und Grillen? Gerade wer glutenfrei essen muss, landet schnell bei Pizzerien, die ihre Pizza auf Alublechen oder in Aluschalen backen. Das Problem: Pizzen haben Zutaten, die Aluminium besonders schlecht verträgt: Tomatensoße, Salz und andere saure Zutaten. Die Säure zersetzt das Aluminium, und ein Teil davon landet im Essen.




Dasselbe Spiel beim Grillen: Fleisch, Fisch oder Gemüse in der Alu-Grillschale, dazu Salz, Zitronensaft oder eine saure Marinade: Und schon kommt es zum direkten Kontakt mit dem Grillgut. Studien haben gezeigt, dass unter solchen Bedingungen erhebliche Mengen Alu aus den Schalen freigesetzt werden können.
Mein persönlicher flammender Schlussapell daher: Bitte trenn dich von Aluminium-Töpfen, wenn du noch welche hast, greif erst gar nicht zu solchen Grillschalen, frag in der Lieblingspizzeria, ob sie welche verwenden) und schmeiß auch die Alufolie weg (Adieu Fisch im Alupäckchen im Ofen gegart – ja, blöd, ich weiß. Das war auch mal einer meiner Favoriten!). Die gute Nachricht: Es gibt Alternativen: Gusseisen oder Keramik.
Frequently Asked Questions (FAQs)
Weil Säure das Aluminium aus dem Topf löst und es in deinem Essen landet. Reines Aluminium ist empfindlich gegenüber Säuren und Salzen, die in Tomaten, Sauerkraut, Rhabarber oder mit Essig verfeinerte Soßen vorkommen. Dadurch lösen sich mikroskopisch kleine Aluminium-Ionen und gehen in die Nahrung über. Werden solche Speisen dann auch noch über Stunden im Topf stehen gelassen oder aufgewärmt, wird die Konzentration noch höher. Nutze für alles, was sauer oder stark gesalzen ist, daher konsequent Töpfe aus Glas oder Emaille.
Wenn du mariniertes Fleisch mit viel Salz, Essig oder Fisch mit Zitronensaft in eine solche Schale legst, zersetzt diese Kombi die schützende Oxidschicht des Aluminiums. Das Ergebnis: Das Grillgut saugt sich regelrecht mit Aluminium voll. Studien zeigen, dass besonders Fisch und Geflügel danach stark erhöhte Werte aufweisen. Der Grill-Tipp lautet: Das Fleisch komplett „nackt“ (ohne saure Marinade) auf die Schale legen und Zitronensaft, Salz sowie Gewürze erst ganz zum Schluss auf dem Teller frisch dazugeben oder noch besser eine Schale aus Edelstahl zu verwenden.
Quelle: Röhrbeck A, et al. Migration of aluminum from food contact materials to food—a health risk for consumers? Part I of III: exposure to aluminum, release of aluminum, tolerable weekly intake (TWI), toxicological effects of aluminum, study design, and methods. Environmental Sciences Europe. 2017;29:19.
Es belastet den Körper. Ein gesunder Körper und gut funktionierende Nieren scheiden einen Großteil des aufgenommenen Aluminiums zwar wieder über den Urin aus. Allerdings speichert der Körper einen Rest davon langfristig in den Knochen und im Gewebe. Da wir Aluminium ohnehin schon unbewusst über Trinkwasser, Kosmetika oder verarbeitete Lebensmittel aufnehmen, empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), vermeidbare Quellen im Haushalt zu reduzieren. Wer täglich unbeschichtetes Alugeschirr nutzt (womöglich noch aus Camping-Beständen oder Opas alten Vorräten), kann die wöchentlichen Grenzwerte für die Aluminiumaufnahme schnell überschreiten.
Quelle: Stahl T, Falk S, Rohrbeck A, et al. Migration of aluminum from food contact materials to food—a health risk for consumers? Part I of III: exposure to aluminum, release of aluminum, tolerable weekly intake (TWI), toxicological effects of aluminum, study design, and methods. Environmental Sciences Europe. 2017;29(1):19.
Die beste und nachhaltigste Lösung sind wiederverwendbare Grillschalen aus Edelstahl oder Gusseisen. Aluschalen kauft man meistens, damit kein Fett in die Glut tropft und krebserregende Stoffe (PAK) entstehen. Diesen Schutz bieten Schalen aus Edelstahl oder emailliertem Gusseisen ganz genauso – nur komplett ohne das Risiko, dass Metallpartikel ins Essen übergehen. Sie kosten in der Anschaffung zwar etwas mehr, halten dafür aber ewig, lassen sich nach dem Grillen einfach in die Spülmaschine stecken oder abschrubben und sparen nebenbei riesige Mengen an unnötigem Müll.
Quellen und Literatur
- Müller JP, Steinegger A, Schlatter C. Contribution of aluminum from packaging materials and cooking utensils to the daily aluminum intake. Zeitschrift für Lebensmittel-Untersuchung und -Forschung. 1993;197(4):332–341.
- Semwal AD, Padmashree A, Khan MA, Sharma GK, Bawa AS. Leaching of aluminium from utensils during cooking of food. Journal of the Science of Food and Agriculture. 2006;86(14):2425–2430.
- Bi X, Nguyen T, et al. Aluminium levels in Italian diets and in selected foods from aluminium utensils. Food Additives & Contaminants. 1996;13(3):?–?.
- Röhrbeck A, et al. Migration of aluminum from food contact materials to food—a health risk for consumers? Part I of III: exposure to aluminum, release of aluminum, tolerable weekly intake (TWI), toxicological effects of aluminum, study design, and methods. Environmental Sciences Europe. 2017;29:19.
- Röhrbeck A, et al. Migration of aluminum from food contact materials to food—a health risk for consumers? Part III of III: migration of aluminum to food from camping dishes and utensils made of aluminum. Environmental Sciences Europe. 2017;29:17.
💡 Hinweis: Dieser Artikel basiert auf sorgfältiger Recherche, aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und persönlicher Erfahrung. Er dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

9 Comments
Sonja
23. Juni 2025 at 17:09Liebe Alexandra,
Danke für deine wertvollen Tipps, ich bin so froh, deine Seite gefunden zu haben.
Ich bin verzweifelt. Als Nickelallergikerin muss ich u.a. Jetzt lektinfrei essen und brauche einen Schnellkochtopf. Der Silit Silomatik (wmf)sollte es sein mit Bechichtung. Doch das Deckelinnere ist eine Edelstahl/Aluminiummischung. )-:
Hast du einen Rat, da Edelstahl für mich nicht in Frage kommt?
Ganz liebe Grüße
Sonja
Alexandra Binder
23. Juni 2025 at 17:24Liebe Sonja,
ich benutze ja den Instantpot. Und für den Instantpot gibt es tatsächlich einen Innentopf dazu zu kaufen aus Keramik. Wäre das etwas für dich? Ich bin nicht sicher, ob der Edelstahldeckel tatsächlich einen Einfluss hat.
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Lg Alexandra
Sonja
23. Juni 2025 at 18:51Liebe Alexandra,
Den Instantpot habe ich bestellt, auch mit beschichtetem Innentopf, doch er riecht für mich stark nach Chemie und ich bin leider MCS/MCAS-Patientin und beko.me dann Beschwerden. Vielleicht gebraucht kaufen?
Bei dem Drckel bin ich auch nicht sicher, aber Aluminiumionen lösen sich bei hohen Temperaturen wohl auch aus dem Metall laut Internet. Dann tropfen diese in das Essen evtl.
Ich danke dir sehr für deine schnelle Antwort gerade. Ich kann mich vielleicht noch einmal bei einem Experten bzgl. des Deckels erkundigen.
Sonja
23. Juni 2025 at 19:53Ich bin es noch einmal, liebe Alexandra, da ich noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön für deine unwahrscheinlich wertvollen Informationen und Rezepte aussprechen möchte, die du auf deiner Seite an uns weitergibst. Sie sind ein Geschenk. Auch deine Unterstützung bei individuellen Fragen finde ich so prima.
Alles Liebe für dich.
Liebe Grüße
Sonja
Alexandra Binder
23. Juni 2025 at 21:08Liebe Sonja, danke für deine Worte, die mich sehr freuen. Ich versuche, die Seite noch lange zu halten. Mal sehen ob das klappt. Es fließt viel an unbezahlter Zeit und Energie rein. Mit einem Abo kann man mich unterstützen! Alles Liebe!
Alexandra Binder
23. Juni 2025 at 21:06Liebe Sonja, der Instantpot an sich stinkt eigentlich nicht. Oder meinst Du den Innentopf? Den muss man ja extra bestellen. Ja, tatsächlich kann durch tropfendes Kondenswasser Nickel ins Essen kommen. Nickelallergie und MCAS ist wirklich bitter. Wer hat die Nickel-Alllergie denn diagnostiziert? Und geht es dir durch vermeiden besser?
Sonja
24. Juni 2025 at 7:44Liebe Alexandra,
ich kann dich sehr gut verstehen und bin umso dankbarer in dieser Zeit. Ich schaue später nach deinem Abo.
Meine Nickelallergie wurde vor vielen Jahren schon von einer Hautärztin getestet und letztes Jahr per LTT-Test.
Ich koche nur mit Glastöpfen und ich meine, seitdem Linderung zu spüren. Stark nickelhaltige LM verursachen u.a. Gefäßkrämpfe und Migräne bei mir.
Ich glaube, die Kunststoffteile des neuen Instantpots dünsten noch aus. Den Keramikinnentopf habe ich nicht ausgepackt, da ich ihn zurücksenden wollte. Vielleicht ist ein gebrauchter Instantpot ganz gut, doch das Nickelproblem mit dem Wasserdampf bleibt natürlich.
Ich überlege, einen Baubiologen einmal zu befragen und schreibe gerne seinen Rat.
Ganz liebe Grüße
Sonja
Sonja
4. August 2025 at 17:39Liebe Alexandra,
wie versprochen melde ich mich, nachdem ich leider längere Zeit krank war.
Meine Baubiologin nutzt ebenfalls den Instant Pot und hält das Kochen mit hochwertigem Edelstahl für unproblematisch. Sie empfahl mir wohl, nach einem gebrauchten Gerät Ausschsu zu halten.
Dr. Gersch empfiehlt, einen beschichteten Einsatz oder einen Glaseinsatz als Nickelallergikerin für den Instant Pot und sprach sich alternativ für den Silit Sicomatik-Skt aus.
Ich hoffe, ich kann mit diesen Informationen etwas unterstützen.
Da die Dichtungsringe von beiden Geräten für mich zu stark riechen, komme ich mit beiden Varianten leider nicht zurecht und muss ohne Skt kochen. )-:
Ganz liebe Grüße
Sonja
Alexandra Binder
13. Oktober 2025 at 13:09Liebe Sonja, vielen Dank für deine Recherche!