Lebensmittel / Wissen

Radikal Regional

Broccoli, Zucchini, Karotten, Zwiebel in Körben, regional und im Hintergrund unscharf

Über geograpische und inhaltliche Grenzgänge

Ich glaube fest daran, dass unsere Nahrung in der Hauptsache regional und saisonal sein sollte. Gerade, wenn man chronisch krank ist. Nahrungsmittel, die unsere Vorfahren schon gegessen haben, sind auch für uns verträglicher. Das sagt mein Ayurveda Therapeut Danny Joseph Kunnekkaden. Dem kann ich viel abgewinnen. Doch was heißt regional überhaupt? Tatsächlich ist der Begriff überhaupt nicht geschützt. Von daher ist auch nirgendwo festgeschrieben, was genau „regionale Produkte“ sind. Jeder Händler oder Hersteller kann seine eigenen Regeln aufstellen. 30, 50 oder auch 100 Kilometer Entfernung können regional sein. Regional kann einen Ort meinen, ein Bundesland, oder einen Kulturkreis. Der Lebensmitteleinzelhandel übersetzt regional auch gern mal mit “aus Österreich” oder „aus Deutschland.“

Sind 50 Kilometer die Grenze?

Es sieht so aus. In Umfragen sind sich die Menschen einig und auch bestehende Initiativen sehen das so. Etwa 50 Kilometer gelten als Grenze, um als Produkt noch regional zu sein. Wobei da dann auch noch die Produktionswege eine Rolle spielen. Mal angenommen, ein Produzent kann seine Rohstoffe fünf Kilometer entfernt beziehen, dann ist das sinnvoller, als der Einkauf bei einem Lieferanten am anderen Ende der Region.

Wann ist ein Sugo regional?

Und wie verhält sich die Sache bei verarbeiteten Produkten? Etwa bei einem Sugo aus heimischen Paradeisern. Darin findet sich neben heimischen Kräutern auch noch italienisches Olivenöl. Diese Zutat braucht es, regional gibt es sie aber nicht. Ist das Sugo dann noch regional? Auch da gibt es keine klare Richtlinie. In Anlehnung an das Bio-Siegel wäre aber ein Prozentsatz von 95 Prozent regionalen Erzeugnissen wünschenswert. Das wäre bei unserem Sugo gegeben, bei anderen verarbeiteten Produkten aber nicht. Denn, dass Rohstoffe, Erzeugung und Vermarktung aus einer Region kommen, ist häufig eine idealistische Vorstellung. Oft liegt schon der Produktionsort nicht in der Region, ganz zu schweigen von Vertrieb oder Marketing. Und manchmal begegnen einem sogar Lebensmittel, die als regional gekennzeichnet sind, nur weil sie in der Region verpackt wurden – gern ist das etwa bei Kaffee der Fall. Das ist ein klarer Fake.

Über die Glaubensfrage

Regionalität betrifft den gesamten Wertschöpfungsprozess, soll das Bruttoregionsprodukt erhöhen, Arbeitsplätze in der Umgebung sichern und dem Bauernsterben aktiv entgegenwirken. Eine regionale Fälschung zu erkennen, wird aber immer schwieriger.  Denn hinter werblichen Begriffen wie „Region“, „Nähe“ oder „Heimat“ stecken sehr unterschiedliche, für uns nicht erkennbare Inhalte. Und wer will bei Sachen des täglichen Bedarfs schon umfangreich recherchieren. Oft reicht uns deshalb auch schon das Etikett, sagt Hans-Georg Häusel, Marketing-, Verkaufs- und Management-Hirnforscher. Warum, ist auch klar: „Der Wunsch nach heimatlicher Geborgenheit ist eine tiefe Sehnsucht im Menschen. Regionale Produkte bedienen sie.“ Gleichzeitig suggerierten sie  Sorgfalt, Echtheit und unverdorbene Ursprünglichkeit. „Im Gegensatz zu „kalten“, industriell gefertigten Lebensmitteln, die mit minderwertigen Zutaten, Profitgier und globalen Konzernen assoziiert werden.“

Wie die regionalen Produkte tatsächlich hergestellt werden, spielt keine Rolle – „Es reicht der Glaube“. (Hirnforscher H.G. Häusel)

Wem der Glaube aber doch nicht ganz reicht, der ist am Bauernmarkt oder beim Direktvermarkter auf der sicheren Seite. Wobei regionale Produkte für sich allein nicht zwingend eine Öko-Alternative zu nicht regionalen Produkten sind. Ihr volles ökologisches Potenzial können sie nämlich erst im Zusammenhang mit Saisonalität und Bio-Landwirtschaft ausschöpfen.

Unser einheimische Paradeiser?

Wäre nur dann auch saisonal, wenn er aus dem Freiland oder einem ungeheizten, geschützten Anbau im Folientunnel oder Gewächshaus stammt.  Aber das ist eine andere Geschichte. Wir leben Regionalität derzeit so gut es geht. Wichtig finde ich, zu wissen, dass es bestimmte Lebensmittel eben nur zu bestimmten Jahreszeiten gibt und zu lernen, damit auszukommen. Was jetzt im April so in unserem Gemüsesack steckt, habe ich hier aufgeschrieben.

Was bedeutet eigentlich Regionalität?

Regionalität verweist auf die Herkunft von Lebensmitteln (z.B. Wachauer Marillen), aber auch auf den Absatzmarkt („dieses Produkt kommt aus meiner Region“). Als Region gilt dabei ein nationaler oder ein mehrere Staaten übergreifender Teilraum – also zum Beispiel ein Bundesland, ein Natur- oder Landschaftsraum (z.B. Wachau, Seewinkel) oder eine kleinere Raumeinheit mit kulturell-historisch verbindendem Hintergrund (z.B. das österreichisch-schweizerische Rheintal). Regionale Produkte sind in letzter Konsequenz solche mit klar geregelter geographischer Herkunftsidentität aus einer Region (z.B. Vorarlberger Bergkäse, Seewinkler Tomaten,…) die nur mit Rohstoffen aus derselben Region produziert und verarbeitet werden, die in dieser Region lokal abgesetzt werden. 

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Journalistin, Hashimoto-Hero, Kochwunderwaffe, Achtsamkeits-Anfängerin

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