Was für eine Karriere hat das glutenfreie Süssgras gemacht! Vom Vogelfutter zum einheimischen Superfood. Letzteres stimmt. Die lektinfreie Hirse liefert Magnesium, Kalzium, Phosphor, Fluor, Eisen, Lezithin, Vitamine und Kieselsäure. All das sorgt für Babypopo-Haut und Rapunzelhaar.
Nahrhaft und Sättigung: Das bedeutet der Name Hirse im indogermanischen. Und der Name ist Programm. Als Dauersnackerin weiß ich, wovon ich rede. Vor mir ist kein Kühlschrank sicher. Da ein bisserl Schoko, dort etwas gar nicht histaminfreundlicher Prosciutto. Unvergesslich war der ungläubige Blick von Freundin E.: „Du isst Prosciutto ohne Brot, echt, einfach so?“ Jup, einfach so, Allerdings hatte ich da noch keine Histaminprobleme, geschweige denn ein MCAS. Lange Rede, kurzer Sinn: Das mit der Sättigung haute lange nicht richtig hin. Bis ich auf die lektinfreie Hirse stieß.
Die lektinfreie Hirse: ein glutenfreies Getreide, das sättigt
Ja, das einzige gluten- und lektinfreie Getreide sättigt. Und satt sein macht glücklich. Das kleinfrüchtige Spelzgetreide aus der Familie der Süßgräser hat aber noch andere unbestechliche Vorteile. Firsts first: Es besteht zu 70 Prozent aus Kohlenhydraten, zu zehn Prozent aus Eiweiß und zu 5 Prozent aus Fett. So viel mal zur Botanik und den Basics.

Hirse liefert Eisen, Silizium & Co.
- Eisen: Auf 100 Milligramm enthält sie immerhin ganze sieben Gramm.
- Silizium: für Haut – speziell rissige, Haare, Nägel, und zum Cellulitekillen.
- Magnesium-, Vitamin A-, B- und E
- Sie ist als einziges Getreide lektinfrei. Das heißt, sie bringt keine darmschädigenden Proteine mit, die Pflanzen gegen Fraßfeinde entwickeln.
Welche Sorten es gibt
- Sorghumhirsen: 30 Sorten gehören zu dieser Gattung. Man erkennt sie an den größeren Körnern. Sie eignen sich als Lebensmittel und Vogelfutter.
- Millethirsen Darunter fallen z. B. Rispen-, Kolben-, Perl-, Finger- und Zwerghirse (Teff). Bei Teff scheiden sich allerdings die Geister, was die Lektinfreiheit betrifft. Selbst Anti-Lektinpapst Gundry bezeichnete sie erst als Lektinbombe, dann aber revidierte er diese Meinung und nahm sie in seine Go-Lebensmittelliste auf.
Du hast bei einer Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität (NCGS) zugeschlagen, oder schleppst Magen-Darm-Probleme mit dir rum? Hip Hip Hurra, dieses glutenfreie Getreide ist mögen auch empfindliche Mägen in der Regel. Als Sahnehäubchen stärkt sie das Immunsystem und hemmt Entzündungen. Einziges Gegenargument ist der Nickel. Hast du eine orale Nickelallergie, dann lass dieses Getreide bitte sein.
Ich schlage für den Beginn diesen Apfelkuchen vor.
Frequently Asked Questions (FAQs)
Hirse hat die biologische Eigenschaft, Metalle aus dem Ackerboden stark aufzunehmen und im Korn anzureichern. Sie gehört zu den nickelreichen Lebensmitteln. Wenn du unter einer systemischen oder oralen Nickelallergie leidest, reagiert dein Immunsystem im Darm auf dieses Metall mit Entzündungen, Blähungen oder Hautausschlägen. In diesem speziellen Fall musst du das Getreide trotz seiner sonstigen entzündungshemmenden Vorteile leider meiden
Das gründliche heisse Waschen ist wichtig, und zwar aus zwei Gründen: An der äußeren Schale der kleinen Körner können von Natur aus Saponine und oxidative Fettrückstände haften. Wenn du das Getreide vorab nicht heiß abspülst, lösen sich diese Stoffe beim Kochen nicht richtig, was dem fertigen Gericht einen bitteren, ranzigen oder seifigen Beigeschmack verleiht und zudem den empfindlichen Magen-Darm-Trakt unnötig reizen kann.
Ja, das Getreide enthält von Natur aus sogenannte Goitrogene (sekundäre Pflanzenstoffe). Wenn du große Mengen an roher oder ungenügend gekochter Hirse isst, können diese Stoffe theoretisch die Schilddrüsenfunktion und die Verarbeitung von Jod beeinträchtigen. Für Hashimoto-Patientinnen gibt es jedoch Entwarnung: Durch das heiße Waschen und das Kochen (am besten in einem Druckkochtopf) wie dem Instantpot) werden diese Verbindungen zum Großteil inaktiviert. Im Rahmen einer normalen, abwechslungsreichen Ernährung ist das für die Schilddrüse sicher
Ja, aber bei einer Histaminose (Histaminintoleranz) oder einem MCAS musst du auf die Kühlkette achten. Hirse ist nach dem Kochen durch ihren hohen Feuchtigkeits- und Proteingehalt ein idealer Nährboden für Bakterien, die schnell Histamin bilden können. Lass das fertige Hirsegericht nach dem Kochen nicht stundenlang bei Zimmertemperatur in der Küche stehen. Fülle die Reste stattdessen noch kochend heiß in luftdichte Behälter, kühle sie zügig ab und stelle sie sofort in den Kühlschrank (für maximal 24 Stunden) oder friere sie direkt ein. Das spätere Aufwärmen sollte dann rasch und gründlich bei hoher Hitze im Topf oder Ofen erfolgen, nicht bei lauwarmer Temperatur.
Quellen und Literatur
- Anitha S, Kane-Potaka J, Tsusaka TW, et al. (2021). A Systematic Review and Meta-Analysis of the Potential of Millets for Managing and Reducing the Risk of Developing Diabetes Mellitus. Frontiers in Nutrition, 8, 687556.
- Anitha S, Botha R, Kane-Potaka J, et al. (2021). Can Millet Consumption Help Manage Hyperlipidemia and Obesity?: A Systematic Review and Meta-Analysis. Frontiers in Nutrition, 8, 700778.
- Naik NS, Nadiger N, Mukhopadhyay A. (2026). Effects of millet consumption on metabolic homeostasis (glycemic control and lipid profiles) in adults: A systematic review. Diabetes & Metabolic Syndrome: Clinical Research & Reviews, 20(1), 103359.


2 Comments
Jo
28. November 2020 at 17:31Und die Hirse? Wann kommt die Hirse dazu?
Alexandra
29. November 2020 at 8:19Uih sorry, gleich nach den Gewürzen… Da hat sich ein Fehlerteufel eingeschlichen!