Alltägliches

Wenn das Gemüse zweimal klingelt

Samstags kriege ich jetzt immer Männerbesuch. Der Mann ist mir bekannt, was in seinem Sack steckt, den er mir bedauerlicher Weise kontaktlos vor die Türe stellt nicht immer. Letztens dabei: Grünkohl – juhu, erkenne ich, roter Grünkohl – warum bitte heißt der so?, toskanischer Palmkohl – die totale Unbekannte, Flower Sprouts – selbiges, Violette Broccolini – detto und ein Sack voll so genannter Leafy Greens. Gut, ich bilde mir ja ein, regional und bio muss sein, was auf den Teller kommt. Jetzt habe ich den Salat. Und den Kohl. Gefühlte zwei Kilo. Den besten der Welt, nebenbei bemerkt. Doch was tun, wenn man das herrliche Gemüse in der Gemüsekiste zum ersten mal sieht? Vorexerzieren wir das mal an den Broccolini, auch Purple Sprouting Broccolli genannt.

Erst mal Googeln. Was sonst?

Dann draufkommen, dass man genau das mit den Broccolini machen kann, was man eh schon dachte: 10 bis 15 Minuten in Salzwasser kochen und darauf achten, dass die Blütenstände nicht zerfallen. Angerichtet habe ich ihn mit zerlassenem Ghee, dazu passen schlicht gekochte Kartoffeln. Übrigens sind auch die jungen, zarten Blätter, die mit dabei sind, essbar und passen, wie Spinat zubereitet, zu Fischgerichten oder Lammfleisch.

Violette Broccolini in der Gemüselieferung: was tun damit? ©Légumes

Das Sackerl grüne Blätter haben wir diesmal in selbst ernannten Grüne-Kraft-Knödeln vermantscht, natürlich glutenfrei. Rezept wird nachgereicht. Und den ganzen Kohl? Der wurde bereits mehrfach zum Kohl-Kartoffelauflauf. Wobei ich ehrlicherweise auch da erst mal recherchieren musste, um überhaupt Rezepte dafür zu finden. Ich meine, wer kocht heute noch Kohl? War das nicht so ein Zweiter-Weltkriegs-Gemüse? Falsch. Wir kennen nur in der Regel saisonales Gemüse gar nicht mehr, weil wir rund ums Jahr sowieso volle Regale mit allem haben, was das Herz begehrt. Wo habe ich mein Kohl/Grünkohl-Kartoffel-Auflauf-Rezept gefunden? Bei der Gemüsekiste Salzkammergut

Kreativ denken, Rezepte umbauen

Bei der Gemüsekiste gibt es einen unglaublichen Rezeptfundus. Nur kocht man dort weder gluten-, hühnerei- noch milchproduktefrei. Hat mich das abgehalten? Nein. Ich bin dafür, sich auszuprobieren, kreativ zu sein und Rezepte einfach umzumodeln. In diesem Fall habe ich einfach den Pfeffer weggelassen und 50 g geriebenen Bergkäse, 1 Ei und 100 g Crème fraîche mit 7 Wachteleiern und 200 Gramm Kokosjoghurt gewürzt mit frisch geriebenem Muskat ersetzt. Hat perfekt funktioniert.

Ich bin Team „Kauf beim Bauer“

Wo kommt mein Gemüse her? Christoph Totter von Légumes Vienna ist der Mann meines Vertrauens. Er führt eine kleine Ein-Mann-Stadtlandschaft in Wien, arbeitet ohne Chemie und setzt statt dessen auf Permakultur-Methoden. Das hilft euch als Nicht-Wiener jetzt nicht weiter? Stimmt. Aber ich bin davon überzeugt mit ein bisschen Recherche findet sich fast überall ein zutiefst verehrenswürdiger Gemüsebauer oder -bäuerin, die liefert.

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Journalistin, Hashimoto-Hero, Kochwunderwaffe, Achtsamkeits-Anfängerin

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